Nach Abschluss der konzeptionellen Vorarbeiten und Verhandlungen unter den potentiellen Partnerhochschulen wurde am 16. Mai 2001 das Evaluationsnetzwerk Wissenschaft „ENWISS“ auf Initiative der TU Darmstadt gestartet. Universitäten und Fachhochschulen aus den Bundesländern Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Thüringen haben sich auf ein Verfahrensmodell verständigt, welches auf Evaluationsinitiativen der beteiligten Hochschulen setzt und anerkannte Qualitätsstandards für Evaluationsmaßnahmen zugrunde legt. Interessierte Hochschulen finden in dem Netzwerk organisatorische Rahmenbedingungen für die Durchführung fachbezogener Evaluationsmaßnahmen vor, die in Kooperation der beteiligten Hochschulen / Fächer autonom und selbstverantwortlich umgesetzt werden.
Evaluation ist ein Qualitätssteigerungs- und Verbesserungsprozess
Die Evaluationsverfahren des Netzes sind ein verbindliches Instrument für die beteiligten Hochschulen mit dem Ziel, konkrete, auf die Fächer bezogene Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten und wechselseitig Unterstützung und Erfahrungsaustausch anzubieten. Weder Ranking noch Benchmarking noch die direkte Kopplung mit Mittelverteilungskriterien sind vorgesehen. Die angestrebten Ergebnisse beziehen sich beispielsweise auf die Optimierung von Studien- und Prüfungsleistungen, einen effizienten Ressourceneinsatz und die Erstellung von validen Informations- und Datenbasen für die Planung und Weiterentwicklung des Faches. Die Verfahrensschritte sehen die Einbeziehung der Hochschulleitung in den gesamten Evaluationsprozess in Form von Diskussion und Umsetzungsstrategien für die Ergebnisse vor. Für die evaluierten Fächer besteht die Möglichkeit, in vereinbarten Zeitabständen sich wechselseitig über die Erfolge und Erfahrungen bei der Realisierung der Gutachterempfehlung auszutauschen.
Die Motivation der Hochschulmitglieder bildet die Grundlage des Verfahrens
Die an Evaluation interessierten Fächer/Hochschulen bilden fachspezifische Evaluationsforen als organisatorische Arbeitsplattform des Netzes. Sie setzen sich aus den Präsidenten/Rektoren der kooperierenden Hochschulen in ihrer Funktion als Hochschulleitung und aus der Evaluationskommission zusammen. Deren Mitglieder, bestehend aus Professoren, Studierenden und Wissenschaftlichen Mitarbeitern führen ihre Fachevaluation in eigener Verantwortung durch. Netzwerktypisch ist die Form der exernen Begutachtung durch die Peer-Group: Standortübergreifend nehmen die Mitglieder der Evaluationskommission wechselseitig die Begehung an den einzelnen Hochschulstandorten des Forums unter Leitung des externen Vorsitzenden vor. Die Peers sind in diesem Verfahren sowohl Gutachter wie selbst von Evaluation betroffene Fachvertreter. Dieses Verfahrensmodell ist entsprechend dem Kollegialen Coaching (auch Fallberatung) aus der Methodik der systemischen Organisationsentwicklung gestaltet. Vorliegende Erfahrungen mit diesem Modell der Peer-Review unterstreichen, dass sich die vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Evaluationskommission und die damit verbundene Detailkenntnis des Fachs auch bei den jeweiligen Partnerhochschulen in der hohen Qualität der Empfehlungen der Evaluationsberichte niederschlägt.
Das Verfahren des Netzwerks berücksichtigt fach- und hochschulspezifische Gesichtspunkte
Das Netzwerk bietet ein abgestimmtes Verfahrensmodell an, welches das bekannte zweistufige Evaluationsverfahren (interner Bericht und Begehung durch Gutachterkommission), eine aus Fachvertretern der beteiligten Hochschulen zusammengesetzte Evaluationskommission unter verantwortlicher Mitwirkung eines erfahrenen externen Vorsitzenden, Abschlussberichte und Stellungnahmen der Hochschulleitung sowie der betroffenen Fachvertreter vorsieht. Die Mitglieder der Evaluationskommission können inhaltlich weitgehende Gestaltungsspielräume wahrnehmen, was die Ziele, die Schwerpunkte und die zu begutachtenden Teilbereiche von Lehre und Studium am Standort anbetrifft. Besondere Zielsetzungen wie beispielsweise Vorbereitung von Akkreditierungsanträgen oder nationale und internationale Profilbildung des Faches können entsprechend dem Interessenspektrum der beteiligten Hochschulen/Fächer eingepasst werden.
Schlanke Organisation und kosteneffektives Verfahren
Aus den Grundsätzen der Selbstorganisation und Autonomie der Netzwerkpartner folgt, dass die beteiligten Hochschulen/Fächer ihre Evaluationsprozesse selbst initiieren. Für das Netzwerk-Management, die Prozesssteuerung und zeitliche Koordinierung sowie die Information steht das ENWISS-Koordinierungsbüro zur Verfügung.
Aufgrund des Beschlusses der Mitgliederkonferenz vom 23. November 2005 finanziert sich die Arbeit des Netzwerks durch Mitgliederbeiträge, die entsprechend der Studierendenzahl pro Netzwerkpartner gestaffelt sind.
Literaturempfehlung
Ackermann, Jan „Hochschulevaluation Vor- und Nachteile von Peer-Review-Verfahren am Beispiel von ENWISS
Saarbrücken 2008, ISBN 978-3-639-01146-3
Technische Universität Darmstadt
ENWISS - Koordinierungsbüro
Barbara Myrzik
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