Der Flugplatz als Flora-Fauna-Habitat

Schafe auf dem August-Euler-Flugplatz
Schafe im Einsatz – und genau im Blick der Biologen der TU Darmstadt. Foto: TU Darmstadt

Ein großer Teil des 71,1 Hektar großen Flugplatzgeländes ist seit 1996 Naturschutzgebiet. Durch die ausbleibende landwirtschaftliche Nutzung und Düngung ist das trockene und karge Gelände, das hauptsächlich aus kalkreichen Sanden besteht, als seltenes Sandökosystem erhalten geblieben und bietet nun zahlreichen europaweit gefährdeten Arten einen Lebensraum – ein spannendes Gebiet für Forschungsaktivitäten der Biologen der TU Darmstadt.

Wie viele Tier- und Pflanzenarten genau es auf dem Flugplatz gibt, lässt sich schwer sagen. Auffallend ist aber, dass hier besonders viele gefährdete Arten einen Lebensraum gefunden haben: Allein ein Drittel der rund 100 auf dem Griesheimer Sand erfassten Vogelarten sind gefährdet; so zum Beispiel der Steinschmätzer, von dem es in Hessen nur noch etwa 30 Brutpaare gibt. Allein auf dem Griesheimer Sand leben 10 Paare. Auch der Wolfsmilchschwärmer, ein nachtaktiver Falter, dessen Vorkommen auf dem Griesheimer Sand zu den größten in Hessen zählt, fühlt sich dort wohl.

Ganze 24 von den in Deutschland vorkommenden 80 Heuschreckenarten sind hier heimisch, darunter die bedrohte italienische Schönschrecke und das Weinhähnchen, die einzige in Mitteleuroppa vorkommende Blütengrille. Von den 162 nachgewiesenen Großschmetterlingsarten stehen acht auf der Roten Liste Deutschland, weitere acht auf der Vorwarnliste. 104 Wildbienenarten wurden in dem Gebiet gezählt, davon sind mit 51 fast die Hälfte gefährdet oder sehr selten, wie zum Beispiel die Steppenbiene.

Nicht weniger beeindruckend ist die Artenvielfalt der Pflanzenwelt auf dem Griesheimer Sand: Grasnelkenrasen wachsen hier und die stark gefährdeten Blauschillergrasfluren, die hauptsächlich in der russischen Steppe auftreten. Von den 166 nachgewiesenen Blütenpflanzenarten und 57 Arten von Moosen, Flechten, Algen und Cyanobakterien sind 23 gefährdet.

Aufgrund seiner besonderen Begebenheiten und des Artenbestands wurde der Standort als prioritärer Flora-Fauna-Habitat-Lebensraum an die EU gemeldet. Zudem ist der August-Euler-Flugplatz Teil des Europäischen Vogelschutzgebietes „Griesheimer Sand“, welche beide zum Schutzgebietenetz „Natura 2000“ der EU gehören.

Doch solche seltenen Lebensräume drohen durch Zersiedelung, Umwandlung von Sandstandorten in landwirtschaftlich genutztes Gebiet und den Rückgang der Wanderschäferei noch weiter zurückgedrängt und als „Insel“ isoliert zu werden. Der dadurch bedingte eingeschränkte genetische Austausch zwischen den Individuen führt zur genetischen Verarmung der Lebensgemeinschaften.

Um dem entgegen zuwirken, werden die Bestände seit 1998/99 mittels eines Pflegemanagements bewirtschaftet. Im Rahmen des Projekts „Ried und Sand – Biotopverbund und Restitution durch extensive Landbewirtschaftung“ beweidet eine Schafherde für kurze Zeit gezielt bestimmte Gebiete. Zum einen sollen so konkurrenzstarke Pflanzen zurückgedrängt werden, zum anderen werden die Schafe zwischen verschiedenen Gebieten der Region hin- und hergetrieben – und mit ihnen Samen und kleine Tiere, die sich in ihrem Fell verfangen haben oder welche die Schafe gefressen haben. Auf diese Weise gelangen Samen bzw. Kleintiere in andere Gebiete, fallen dort wieder zu Boden oder werden ausgeschieden – Individuenaustausch auf natürliche Art.

Das Projekt wird durch den Landkreis Darmstadt-Dieburg geleitet und durch den Fachbereich Biologie der TU wissenschaftlich begleitet. Die Biologen untersuchen, welche Auswirkungen die gezielte Beweidung auf den Artenbestand hat.

Eine gemeinsame Broschüre der HGON und der TU Darmstadt vertieft dieses Thema unter dem Titel „Ein Flugplatz für die Natur“. Möchten Sie diese als pdf herunterladen, flogen Sie dem Link.

Mehr zum Projekt „Ried und Sand – Biotopverbund und Restitution durch extensive Landbewirtschaftung“ erfahren Sie auf einer „Echo-Thema“-Sonderseite, die am 27. Februar 2010 in allen Echo-Zeitungen erschienen ist. Zum pdf der Sonderseite