Sporthallen

TU-Sporthallen am Fernwärmenetz: Wenn sparen höheren Komfort bringt

Der Neuanschluss und die Sanierung der Heizanlage sparen nicht nur Energie, sondern verbessern gleichzeitig Komfort und Gesundheitsschutz

Die alten Anlagen zur Warmwasseraufbereitung für die TU-Sporthallen.
Die alte Anlage hat ausgedient. Foto: Andrea Stütz

Anfang Juli 2009 sind die Sporthallen der TU (Böllenfalltorstadion) ans Fernwärmenetz der TU Darmstadt angeschlossen worden. Zuvor wurde die veraltete und sanierungsbedürftige Ölheizung außer Betrieb genommen und durch eine neue Fernwärmestation ersetzt. Was zunächst recht unspektakulär klingt, hat für die Energiebilanz der TU Darmstadt und den Komfort der Sporthallennutzer weitreichende Folgen:

Die neue Anlage reduziert – vorsichtig prognostiziert – den Einsatz von Primärenergie um 22 Prozent (von 1024 MWh pro Jahr auf 794 Mwh pro Jahr) und senkt den CO2-Ausstoß um fast die Hälfte. Regelmäßige Nutzer der Sporthallenduschen wissen aus eigener Erfahrung, dass bei großem Ansturm auf die Sanitäranlagen bislang immer wieder das Problem auftrat, dass plötzlich kein warmes Wasser mehr übrig war – auch dies wird künftig nicht mehr der Fall sein. Hinzu kommt, dass dank der neuen Regelungstechnik potenzielle Legionellengefahrenherde komplett beseitigt werden konnten.

Bei den Sanierungsarbeiten wurden noch weitere Aspekte berücksichtigt, die sich positiv auswirken: der Brandschutz wurde optimiert, durch den verringerten Raumbedarf der neuen Anlage entsteht mehr anderweitig nutzbarer Raum (Werkstätten, Lager) und darüber hinaus sinken die Beriebskosten.

Wie ist das alles möglich?

Durch integrale Planung, die alle Aspekte – Nutzerbedingungen, Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz, bauliche Komponenten etc. – gleichermaßen berücksichtigt und die Fachkompetenz unterschiedlicher Akteure effektiv nutzt. So haben neben den unterschiedlichen Betriebsgruppen des Dezernats IV unter anderem auch das „Ingenieurbüro Bloching“ als Fachplaner und die „evonik“ bei der Fernwärmeplanung mitgearbeitet.

Bernd Geier, Hr. Forth, Michael Nitze (v. l.)
Bernd Geier (Betriebsgruppenleiter HKLS), Erich Forth (Ingenieurbüro Bloching) und Michael Nitze (Energiebeauftragter) checken vor Inbetriebnahme anhand der Pläne die neue Heizanlage. Foto: Andrea Stütz

Zunächst wurden die beiden alten, platzraubenden Warmwasserkessel stillgelegt und entfernt und durch einen 1000 Liter fassenden Warmwasserspeicher sowie einen 500 Liter Wasser fassenden Reaktionsspeicher ersetzt. Mit dem neuen Leitungssystem bleibt das warme Wasser nicht mehr in den Rohren stehen und bildet dadurch einen idealen Nährboden für Legionellen, sondern über einen ständigen Rücklauf durch den Wärmetauscher bewegt sich ständig eine kleine Menge Wasser im Kreislauf und wird im Reaktionsspeicher für drei Minuten auf mehr als 70 Grad Celsius erhitzt, so dass mögliche Legionellen sicher abgetötet werden. Hinzu kommt eine Entkalkungsanalge, die verhindert, dass sich in den Speichern Kalkschwämme bilden, die zum einen ebenfalls ein guter Nährboden für Legionellen wären, darüber hinaus mit der Zeit aber auch den Speicherplatz durch Ablagerungen deutlich reduzieren würden.

Ein entscheidender Unterschied zur vorherigen Technik ist auch, dass die neue Anlage nicht mehr durch den Einsatz von Heizöl betrieben wird, sondern mit Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung, die gleichzeitig noch Strom erzeugt. Allein durch den besseren CO2-Emissionsfaktor von Gas im Gegensatz zu Öl werden die CO2-Emissionen gesenkt. Hinzu kommt jedoch noch, dass der Wirkungsgrad der neuen Heizanlage deutlich besser als der der alten ist. Insgesamt kommt so eine prognostizierte Einsparung von 45 Prozent er CO2-Emissionen an diesem Standort zustande (alt: 275 t CO2 pro Jahr, neu: 150 t CO2 pro Jahr).

Schlechte Luft oder frostige oder überhitzte Temperaturen in den Sporthallen gehören ebenfalls der Vergangenheit an. Die neue Anlagetechnik mit Luftfühlern und -filtern wurde auf die Gebäudeautomation aufgeschaltet und optimiert so sowohl den Energieverbrauch als auch den Nutzerkomfort. Denn die zuständigen Mitarbeiter aus der Abteilung IV C können nun aus der Ferne vom Computer unterstützt überprüfen, ob alles funktioniert bzw. die Lüftung und Temperatur bedarfsgerecht steuern. So wird in den Hallen nicht mehr unnötig geheizt, obwohl niemand vor Ort ist und Ausfälle oder Störungen in der Technik können schnell per Mausklick erkannt werden. Alle Gebäudebereiche und Anlagenteile erhalten ihre notwendige Wärme – dank des hydraulischen Abgleichs.

Hat das nicht unglaublich viel gekostet?

Für die fällige Sanierung der alten Kessel stand eine Investition im unteren sechsstelligen Bereich an. Die Entscheidung, mehr für ein komplett neue Anlagentechnik zu investieren, fiel nicht schwer angesichts der Aussicht auf verbesserte Nutzerbedingungen, auf die Möglichkeit den Gesundheits- und Brandschutz auf den neuesten Stand zu bringen, den Einsatz von Primärenergie deutlich zu senken, den Wirkungsgrad der Energieumwandlung zu verbessern und damit auch gleichzeitig die Betriebskosten dauerhaft zu senken.

Denn die Erneuerung bringt eine direkte Einsparung von 45 Prozent an Betriebs- und Energiekosten im Gegensatz zu vorher. Selbst nach Abzug der Investitionskapitalmehrkosten durch die Rundum-Erneuerung bleibt nach Anrechnung auf die Lebensdauer der neuen Anlagenelemente dennoch am Ende eine Ersparnis von rund 15 Prozent pro Jahr stehen.

Integrale Planung – immer auch mit Weitblick für den künftigen Bedarf

Ein Anschluss an das Fernwärmenetz für die Garderoben der Sportanlagen sowie für das Schwimmbad im Hochschulstadion wurde bei den Sanierungsmaßnahmen gleich mit vorbereitet – somit können diese Investitionskosten bei den dort anstehenden Baurabeiten gespart werden.