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14.06.2017

„Fundamentale Umbrüche in Wirtschaft und Gesellschaft“

Forschungsbereich erforscht die Digitale Transformation

Digitale Transformation ist eine Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft, die weit über schlichte Computerisierung einzelner Teilbereiche hinausgeht. An der TU befasst sich ein eigener Forschungsbereich am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften mit dem Thema. Die Gründungsphase begann Ende 2015, nun nimmt die Forschung Fahrt auf.

Symbolbild: Ein Modelflugzeug startet vor einem Hintergrund aus Einsen und Nullen. Bild: Patrick Bal
Bild: Patrick Bal

Prof. Alexander Benlian, Leiter des Forschungsbereichs, sowie Prof. Ralf Elbert, Dekan des Fachbereichs und Mitglied des Forschungsbereichs, im Gespräch über die neue Forschungsplattform:

TU Darmstadt: Wie würden Sie in Twitterlänge „Digitale Transformation“ definieren?

Alexander Benlian: Mit fortschreitender Digitaltechnologie-Durchdringung einhergehende fundamentale Umbrüche in Wirtschaft und Gesellschaft.

Welche Herausforderungen ergeben sich für Wirtschaft und Gesellschaft aus dem Prozess der Digitalen Transformation und wie wird sich der Forschungsbereich damit befassen?

Alexander Benlian: Digitale Technologien werden das Wirtschaftsleben, die Arbeitswelt und die private Kommunikation auch weiterhin fundamental verändern. Große Herausforderungen ergeben sich zum Beispiel bei der Ausgestaltung künftiger Arbeitsplätze, bei der Optimierung von Geschäftsprozessen in und zwischen Unternehmen sowie bei der Setzung geeigneter regulatorischer Rahmenbedingungen, die Datensicherheits- und Haftungsfragestellungen betreffen. Der Forschungsbereich wird sich insbesondere Kernfragestellungen zur Digitalen Transformation annehmen, die einen interdisziplinären Charakter aufweisen und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden können.

Ralf Elbert: Unsere gemeinsamen, interdisziplinären Forschungsprojekte thematisieren die Kernfragestellungen der Digitalen Transformation. In dem aktuellen Forschungsprojekt „LogIn“ werden in der gelebten Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft die Potenziale der Digitalen Transformation für die Verbesserung von Geschäftsprozessen an einem für die Rhein-Main-Region wie auch international bedeutenden logistischen Drehkreuz, dem Frankfurter Flughafen, erforscht.

Der Stellenwert eines solchen Drehkreuzes hängt neben vielen Faktoren insbesondere von der Prozesseffizienz ab. Die Effizienz solcher Geschäftsprozesse wird heute mehr denn je vom Informationsaustausch in und zwischen Unternehmen bestimmt. Das Forschungsprojekt wird gemeinsam von den Fachgebieten Unternehmensführung und Logistik sowie Information Systems und E-Services der TU Darmstadt, der Frankfurter University of Applied Sciences, der Hochschule Rhein-Main und dem Air Cargo Community Frankfurt e.V. bearbeitet sowie vom Projektträger House of Logistics and Mobility (HOLM) GmbH und dem Land Hessen gefördert.

Hierbei werden nicht nur die Möglichkeiten der Digitalisierung durch den Einsatz moderner Technologien betrachtet, sondern auch deren Akzeptanz. Nur in der Anwendung kann letztendlich die Digitale Transformation zu effizienten Geschäftsprozessen führen.

Was prädestiniert die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der TU für die Einrichtung des neuen Forschungsbereichs?

Alexander Benlian: Der Fachbereich bringt mit seinen betriebs-, volks- und rechtswissenschaftlichen Fachgebieten die notwendige Interdisziplinarität und Expertise mit, um Fragen der Digitalen Transformation möglichst holistisch beantworten zu können. Weiterhin bestehen über den Fachbereich hinaus zahlreiche Verbindungen zu den Profilbereichen der TU, so etwa zu „Internet und Digitalisierung“ und „Cybersicherheit (CYSEC)".

Ralf Elbert: Die Digitale Transformation sollte immer im Hinblick auf ihre Anwendungsbereiche betrachtet werden. Dabei bietet sich die Zusammenarbeit mit den Forschungssäulen am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an – anschaulich wird diese Zusammenarbeit am Beispiel des aktuellen Forschungsprojekts „LogIn“, bei dem die vorhandene Expertise in Logistik und Informationssysteme zusammengeführt wird. Wir freuen uns hierbei über die angestrebten Forschungsergebnisse hinaus auch die Region hinsichtlich der Digitalen Transformation weiter zu stärken.

Welche Akzente wird der Forschungsbereich setzen?

Alexander Benlian: Der Forschungsbereich hat sich sechs Themenakzente gesetzt, an denen in kleineren und größeren Verbundprojekten gearbeitet werden soll. Neben drei Industrieschwerpunkten – Digital Banking, Digital Marketing und Digital Operations – werden drei weitere grundlegende Themenbereiche beleuchtet – Digital Entrepreneurship, Digital Economy und Digital Technologies & Cybersecurity. In allen Forschungsschwerpunkten soll dabei eine ausgewogene Diskussion der Vor- und Nachteile der Digitalen Transformation stattfinden.

Wie steht der Forschungsbereich an der TU in der deutschen Forschungslandschaft zu diesem Thema da?

Alexander Benlian: Der Forschungsbereich Digitale Transformation der TU ist in seiner interdisziplinären Herangehensweise einer der Pioniere in Deutschland. Durch die Verbindung unserer Kompetenzen an der Schnittstelle von Technologie, Wirtschaft und Recht setzen wir auch besondere Schwerpunkte in Themenbereichen wie Technostress, Digitale Arbeitsplätze oder Crowdfunding.

Die Fragen stellte Silke Paradowski.

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