Namensgebung

„Er hat für die TH gestritten"

Internationales Gästehaus: Namenstafel erinnert an Otto Wolfskehl (1841–1907)

Claudia Kühner, Nachfahrin von Otto Wolfskehl, und Prof. Diethard Amelung, ein Freund der Familie, enthüllen im Beisein von TU-Kanzler Manfred Efinger (re.) die Namenstafel. Bild: Claus Völker
Claudia Kühner, Nachfahrin von Otto Wolfskehl, und Prof. Diethard Amelung, ein Freund der Familie, enthüllen im Beisein von TU-Kanzler Manfred Efinger (re.) die Namenstafel. Bild: Claus Völker

Im „Otto Wolfskehl-Haus“, dem internationalen Gästehaus der TU Darmstadt, erinnert seit Montag (16. Juni) eine Tafel an den großen Namenspaten. TU-Kanzler Manfred Efinger und eine Nachfahrin Otto Wolfskehls enthüllten sie gemeinsam.

Otto Wolfskehl (1841–1907) entstammte einer Darmstädter jüdischen Patrizierfamilie und war Bankier und Politiker im Großherzogtum Hessen. Er wirkte als Vorsitzender des Finanzausschusses in der zweiten Kammer des Landtags und war Mitbegründer der hessischen Landeshypothekenbank. Wolfskehl gilt als Gründer des heutigen Energieversorgungsunternehmens HSE und der Vorgängerinstitution des Darmstädter Bauvereins.

Sein kulturelles und mäzenatisches Engagement drückte sich durch Gründung diverser Stiftungen aus. Im Rahmen der Feierstunde zur Enthüllung der Namenstafel erinnerten TU-Kanzler Efinger und Professor Christof Dipper, Institut für Geschichte der TU Darmstadt, an Wolfskehls große Verdienste um die Stadt und die damalige TH Darmstadt: In der schweren Existenzkrise der TH in den 1880er Jahren wehrte er sich an vorderster Stelle gegen die drohende Schließung der Hochschule und trat insbesondere für die allgemeinbildenden Fächer ein.

Ein Mangel, der nun behoben wird

„Er hat für die TH gestritten – überall da, wo es ihm möglich war“, so Efinger. Wolfskehls Argumente im Plädoyer für den Erhalt der Hochschule seien nach wie vor aktuell, hob Dipper hervor: kein Staat sei bislang zugrunde gegangen, so Wolfskehl anno 1882, weil er zu viel für Bildung ausgegeben habe.

Immer wieder setzte sich Wolfskehl nicht nur für den Bestand, sondern gemeinsam mit Oberbürgermeister Albrecht Ohly und Innenminister Julius Rink Freiherr von Stark auch für eine Erweiterung der TH ein. Unter anderem auf seine Initiative hin entstanden das Alte Hauptgebäude und die Institutsgebäude gegenüber an der heutigen Hochschulstraße.

An der TU Darmstadt gab es bisher keinen Hinweis auf die Verdienste von Otto Wolfskehl. Ein Mangel, der nun behoben wird, wie Efinger erklärte: „Wir möchten mit der Benennung des Gästehauses das Wirken von Otto Wolfskehl ehren, seinen Mut und seine Beharrlichkeit herausstellen und seine tolerante Haltung.“

sip