Aus dem Arbeitsalltag

Alles unter Dach und Fach

Wetten dass… Sie gerade von der Arbeit der Betriebsgruppe Dach & Fach profitieren? Glauben Sie nicht?

Dann sehen Sie sich den Boden unter Ihren Füßen an, die Wände in Ihrem Büro, die Teeküche, ihre Tür oder… Ganz gleich, ob Arbeiten am Bodenbelag, an Wänden oder Fenstern, an Jalousien oder Türen, ob Trockenbauarbeiten oder maßgefertigte Möbel, ob neu geschreinert oder repariert – die zwölf Mitarbeiter von Dach & Fach kümmern sich darum, dass alles in Schuss bleibt. Hier erzählen wir aus ihrem Arbeitsalltag.

Peter Kühlwein trägt im Mal- und Lackierraum frische Farbe auf einen Metallschrank auf.
Peter Kühlwein trägt im Mal- und Lackierraum frische Farbe auf einen Metallschrank auf.

„Passt auf!“, ruft Thorsten Herper, einer der sieben Schreiner der Betriebsgruppe Dach & Fach. Kommando zurück und noch mal. Herper und drei seiner Kollegen bugsieren ein zweieinhalb Meter hohes und noch längeres dickes Holzbrett hinein in die Werkstätten. Im Nebenraum läuft hochtourig eine der Sägemaschinen und kreischt jedes Mal auf, wenn sie sich durch neues Holz frisst. Peter Kühlwein – einer von vier Malern – sprüht in einem anderen Raum graue Farbe gleichmäßig auf einen Metallschrank.

Es ist 8.30 Uhr morgens. Während andere Mitarbeiter der TU Darmstadt noch auf dem Weg zum Arbeitsplatz sind oder den PC in ihrem Büro gerade hochgefahren haben, ist der Arbeitstag für die Betriebsgruppe längst in vollem Gange. Seit 7 Uhr morgens heben, sägen, hämmern, verputzen, schneiden, pinseln, lackieren und schleifen die Handwerker oder telefonieren mit Firmen, um Angebote einzuholen, zu prüfen und Aufträge zu erteilen.

Der Tag beginnt stets mit einer Besprechung in der Früh, bei der die Aufgaben verteilt werden. „Meistens bekommen wir die Aufträge über Störmeldungen. Wir klären, wie dringend diese sind und vereinbaren Termine“, erklärt Kühlwein. „Wenn zum Beispiel Unfallgefahr besteht, geht´s gleich zum Einsatz.“ Das kommt häufiger vor als mancher denkt: „Am Montag stehen regelmäßig demolierte Glasscheiben auf dem Programm, wenn am Wochenende Randalierer unterwegs waren. Die müssen schnell gesichert werden. Oder wenn zum Beispiel eine Treppenstufe kaputt ist und die Gefahr besteht, dass jemand stürzen könnte“, erläutert Betriebsgruppenleiter Reinhold Hofferberth.

Nicht gefährlich, aber leider genauso regelmäßig müssen Hans-Peter Andres und seine Kollegen Kontakt mit dem Baudezernat V aufnehmen, um abzuklären, welche Farben verwendet werden sollen, um mal wieder unschöne Schmierereien und Graffitis irgendwo auf den Flächen an der TU Darmstadt zu entfernen.

Reinhold Hofferberth (links) und Thomas Schneider kontrollieren eine defekte Jalousie im Hörsaal.
Reinhold Hofferberth (links) und Thomas Schneider kontrollieren eine defekte Jalousie im Hörsaal.

Insgesamt 950 bis 1000 Meldungen gibt es pro Jahr. Das können Kleinigkeiten sein, wie eine knarzende Tür, eine defekte Jalousie oder größere Probleme, wie Schimmelbefall. Dann ist erstmal Ursachenforschung angesagt. „Dafür ist es oft hilfreich, wenn wir uns mit Experten wie dem Energieberater oder unseren Ingenieuren zusammensetzen und der Sache auf den Grund gehen“, erklärt Hofferberth.

Oft handelt es sich auch um mehrtägige Einsätze, wie im Gästehaus der TU Darmstadt – manchmal auch unter extremem Zeitdruck. „Da ist jemand aus einer Wohnung ausgezogen und der nächste Mieter wollte rein. Aber die Wohnung war extrem renovierungsbedürftig. Zu dritt haben wir sie innerhalb von fünf Tagen auf Vordermann gebracht“, sagt Kühlwein.

Hinzu kommen die laufenden Sanierungsarbeiten wie im alten Hauptgebäude der TU Darmstadt, in dem nach und nach stark sanierungsbedürftige Hörsäle auf den neuesten Stand gebracht werden. Dazu ist nicht nur eine enge abteilungsinterne Abstimmung erforderlich, sondern in vielen Fällen müssen die Mitarbeiter dezernatsübergreifend zusammenarbeiten.

„Wir sind so etwas wie die Feuerwehr“

Können die Fachleute der Betriebsgruppe denn das alles alleine für weit mehr als 172 Gebäude an der TU Darmstadt leisten? „Nein, wir sind so etwas wie die Feuerwehr“, antwortet Kühlwein. Für die großen Aufträge engagiert die Betriebsgruppe Rahmenvertragsfirmen.

Doch selbst das macht Arbeit: Zunächst sind da die Wünsche der TU-Angehörigen wie „Gibt es Anstriche, die Handystrahlung abschirmen?“, „Ich hätte gerne Farben in meinem neuen Büro, aber welche und wie weiß ich noch nicht.“ Oder: „Die Akustik in dem Hörsaal ist schlecht, können Sie da nicht etwas machen?“ Hier stehen die Experten der Betriebsgruppe beratend zur Seite, egal ob für ein komplettes Farbkonzept, für die optimale Aufteilung einer neuen Einbauküche oder einen neuen Bodenbelag.

Michael Ertl (hockend) und Markus Ripp haben sogar die Einrichtung im Büro des Gruppenleiters maßgeschreinert.
Michael Ertl (hockend) und Markus Ripp haben sogar die Einrichtung im Büro des Gruppenleiters maßgeschreinert.

Ist klar, in welche Richtung es gehen soll, prüfen die Mitarbeiter, welche Alternativen günstig und gut sind, was aus gesundheits- und arbeitstechnischer Sicht sowie vom Standpunkt der Nachhaltigkeit aus die beste Lösung ist. „Wir prüfen dabei unter anderem die Gefahrenbeschreibungen bestimmter Stoffe oder weisen beispielsweise darauf hin, dass Linoleumboden Allergien auslösen kann. Das wissen viele Leute nicht“, sagt Bodenleger Thomas Schneider.

Damit die Mitarbeiter der Betriebsgruppe immer auf dem aktuellsten Stand sind, besuchen sie Fortbildungen oder nutzen freie Wochenenden, um sich auf Fachmessen zu informieren, welche Entwicklungen es gibt. „Da sehen wir dann, dass sich eine größere Investition oft lohnt, weil sie langfristig die bessere Lösung bietet“, stellt Hofferberth fest.

Ist die Entscheidung gefallen, folgt der nächste Schritt: Welche Firmen sind auf der Baustelle nötig? „Das können bei größeren Projekten sieben oder mehr sein“, sagt Schneider. Diese müssen terminlich koordiniert werden. Schließlich können die Handwerker nicht in Büros oder Hörsälen arbeiten, während die technisch-administrativen Mitarbeiter am PC sitzen, Professoren an einer Veröffentlichung schreiben oder Studierende lernen…

Außerdem kann der Bodenleger nicht anfangen, bevor der Trockenbau abgeschlossen ist, der Verputzer nicht, bevor der Elektriker die Leitungen verlegt hat. Bei Ortsbegehungen prüfen die Dach & Fach-Leute, ob Fristen und Vorschriften der Arbeitssicherheit eingehalten werden und die Firmen sauber arbeiten. Dieser Aufwand ist bei jeder Baustelle aufs Neue nötig.

Zur Routine gerät die Arbeit trotzdem nicht. Vor allem wenn die Handwerker selbst Hand anlegen und eine gesamte Einbauküche schreinern oder einen millimetergenau angepassten Schreibtisch fertigen.

Kreative Projekte wie der Entwurf und die Fertigung der Schränke für den Waldkindergarten machen den Handwerkern besonders viel Spaß.
Kreative Projekte wie der Entwurf und die Fertigung der Schränke für den Waldkindergarten machen den Handwerkern besonders viel Spaß.

„Besonders schön sind aber die Projekte, bei denen wir selbst gestalten können, wie zum Beispiel im Waldkindergarten“, erzählt Schreiner Markus Ripp. Der brauchte neue, kindgerechte Schränke für die Jüngsten an der TU. „Eine schöne Arbeit war es auch, als ich vor einigen Jahren im Waldemar-Petersen-Haus im Kleinwalsertal für zwei Zimmer die Möblierung gemacht und den kompletten Balkon repariert habe“, erinnert sich Kollege Michael Ertl.

Andere Aufträge sind eher ungewöhnlich denn schön: „Drüben bei den Druckmaschinen musste ich mal eine Dunkelkammer schwarz streichen und alle Ritzen abdichten. Das war schon komisch: Am Ende stand ich am helllichten Tag im Stockdunkeln. Aber egal, Hauptsache, es war dann so wie gewünscht“, sagt Kühlwein.

Das ist nämlich das Ziel der Heinzelmännchen von Dach & Fach: Hauptsache die Kunden sind zufrieden und wissen, dass sie jederzeit auf die Fachleute zählen können. „Wenn was ist, wenden wir uns immer an den Peter. Der macht seinen Job gut und hat Erfahrung, er denkt mit und hat gute Gestaltungsideen“, lobt Karsten Rettig aus dem Institut für Druckmaschinen und Druckverfahren bei einem Rundgang zu den aktuellen Einsatzorten der Betriebsgruppe. „Besser könnte es nicht sein“, befindet auch Christof Neubrand aus der Kernphysik auf dem Weg durch die frisch fertig sanierten Flure im Keller des Gebäudes. Also haben die Handwerker – ungesehen – mal wieder einen guten Job gemacht.

Zwei Ecken im gleichen Flur: vorher und nachher…

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