Von Behnisch bis Weiss

Ab 15. Oktober gelten neue Straßennamen auf dem Campus Lichtwiese

18.09.2013

Auf dem Campus Lichtwiese werden ab 15. Oktober 2013 sieben Straßenabschnitte nach Persönlichkeiten benannt , die historisch wegweisend für die Technische Hochschule bzw. Universität waren und deren Entwicklung positiv beeinflussten.

Der Campus Lichtwiese erhält neue Straßennamen. Bild: Nikolaus Heiss

Der Campus Lichtwiese hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt – viele Neubauten sind hinzugekommen, etliche Sanierungsprojekte wurden eingeleitet, die Zahl der Studierenden und Beschäftigten auf dem Campus steigt deutlich. Und der Zuwachs auf der Lichtwiese hält weiter an. Es gibt also gute Gründe, auch das Straßennetz vor Ort neu zu ordnen. In enger Zusammenarbeit mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt und in Abstimmung mit dem Senat der Universität hat das Präsidium entschieden, mit neuen Straßennamen folgende Wissenschaftlerinnen, Professoren und Absolventinnen zu ehren.

Die neuen Straßennamen und Persönlichkeiten dahinter

Günter Behnisch war Architekt und Professor für Architektur an der TH Darmstadt von 1967 bis 1987, sowie gleichzeitig Direktor des dortigen Instituts für Normgebung.

Von 1947 bis 1951 studierte er an der Technischen Hochschule Stuttgart Architektur. 1952 gründete Behnisch in Stuttgart sein eigenes Büro, 1966 wurde die Architektengruppe Behnisch & Partner gegründet, die Behnisch unter wechselnde Namen jeweils mit einem oder mehreren Partner führte. Das Büro besteht bis heute. 1982 wurde Behnisch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und 1984 zum Ehrendoktor der Universität Stuttgart ernannt. 1996 wurde er zum Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste berufen, deren Klasse Baukunst er bis 2000 leitete. Weltweite Bekanntheit erlangte er durch den Bau des Münchner Olympiageländes (1967-1972).

Professor Günther Behnisch mit einem Modell des neu gestalteten Bundestages in Bonn, 1987. Bild: picture-alliance/Rüdiger Schrader

Otto Berndt, der 1892 als Professor an die TH Darmstadt berufen wurde, prägte den Darmstädter Maschinenbau und die gesamte damalige Technische Hochschule in besonderer Weise. Die von ihm vertretenen Lehrgebiete umfassten die Fächer Mechanische Technologie, Gaskraftmaschinen, Werkzeugmaschinen sowie Eisenbahnmaschinenwesen.

Berndt erkannte sehr früh die umfassende Bedeutung der Materialprüfung zur Sicherstellung von Mindestanforderungen an die Festigkeit und Zähigkeit von Stählen und Legierungen. Bereits im Jahre 1896 gründete er ein Labor, in dem er zur Ergänzung seiner Vorlesungen praktische Übungen zur Materialprüfung für Studierende durchführte. Auch wissenschaftliche Mitarbeiter nutzen das Labor für Forschungsarbeiten, was insbesondere wichtig wurde, als die TH Darmstadt im Jahre 1899 das Promotionsrecht erhielt.

Aus dem Labor als Nukleus erwuchs die Staatliche Materialprüfungsanstalt MPA, die 1907 mit Otto Berndt als ihrem Leiter gegründet wurde. Otto Berndt war zudem maßgeblich beteiligt an den Gründungen der Lehrstühle für Wasserkraftmaschinen. Er fördert in all diesen Bereichen stets die enge Verknüpfung von Lehre und Forschung und wirkte damit prägend auf die erfolgreiche Entwicklung des Maschinenbaus an der TH Darmstadt.

Otto Berndt. Bild: Archiv TU Darmstadt

Ottilie Bock lebte von 1896-1969. Sie war promovierte Chemikerin und als erste Assistentin dauerhaft an der TH Darmstadt von 1921-1924 beschäftigt.

Jovanka Bontschits, 1887 in Belgrad geboren, schloss im Juli 1913 an der Technischen Universität Darmstadt ihr Studium ab und trug damit als erste Frau in Deutschland den Titel eines Diplom-Ingenieurs. Sie ließ sich anschließend als Architektin in Belgrad nieder. Sie lebte von 1887-1966.

Es gibt den nach ihr benannten Jovanka-Bontschits-Preis (Förderpreis) des Fachbereichs Material- und Geowissenschaften.

Franziska Braun wurde 1908 als erste Studentin an der TH Darmstadt immatrikuliert. Diese Immatrikulation begründet eine neue Ära, Franziska Braun erobert ein bis dato Frauen verschlossenes Feld: Wissenschaft und Technik. Sie studierte bis 1912 an der TH Darmstadt.

An der TU Darmstadt gibt es den Franziska-Braun-Preis der Carlo und Karin Giersch-Stiftung.

Franziska Braun. Bild: Archiv TU Darmstadt

Eugen Kogon war Publizist und Professor für Politikwissenschaft an der TH Darmstadt von 1951-1968. Er war ein christlich geprägter Antifaschist. Kogon studierte Nationalökonomie und Soziologie in München, Florenz und Wien.

1927 promovierte Kogon in Wien (Dr. phil.) mit einer Arbeit über den Faschismus und Korporativstaat. 1934 war er Chefredakteur eines christlichen Gewerkschaftsblatt. Beim „ Anschluss “ Österreichs war er 1938 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert.

1945 verfasste Kogon mit Walter Dirks die „Frankfurter Leitsätze “ und gründete ebenfalls mit Walter Dirks 1946 die „Frankfurter Hefte“. Kogon ist Autor des Buches „Der SS-Staat“ (1946). Von 1949 bis 1953 war er Präsident der Europaunion. 1964 war er für ein Jahr Moderator des ersten politischen Fernsehmagazins „Panorama“. Kogon war 1967 Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für politische Wissenschaften und erhielt 1982 den Hessischen Kulturpreis.

Eugen Kogon. Bild: Archiv TU Darmstadt

Alarich Weiss, 1925 in Regenpeilstein (Oberpfalz) geboren, studierte Physik an den Universitäten Erlangen und Mainz, um dann in Darmstadt mit dem Diplom sein Studium abzuschließen. Hier promovierte er auch 1955 in der physikalischen Chemie unter der Anleitung des späteren Rektors Helmut Witte über die Elektronendichteverteilung in Calciumfluorid.

Von 1956 weilte er als Gastforscher in den USA. Er kehrte 1958 ans Eduard-Zintl-Institut zurück und zeigte mit seiner Arbeit auf, dass die gerade erst entdeckte Kernresonanzspektroskopie äußerst erfolgreich in der Festkörperforschung und auch der Materialforschung eingesetzt werden kann. Im Jahre 1962 habilitierte sich Alarich Weiss für das Fach Physikalische Chemie. 1965 wurde er zum Abteilungsleiter und Professor im Eduard-Zintl-Institut ernennt.

1967 folgte er einem Ruf auf einen Lehrstuhl für physikalische Chemie der Universität Münster. 1972 gelang es der TH Darmstadt, Alarich Weiss wieder nach Darmstadt zu holen. Er nahm den Ruf auf den Lehrstuhl Physikalische Chemie III, Chemische Spektroskopie an.

Alarich Weiss publizierte insgesamt mehr als 350 wissenschaftliche Arbeiten, die ihm zu weltweiter Anerkennung verhalfen. Dafür zeugen auch seine Tätigkeiten als Gastprofessor an den Universitäten von Madras, Genf und Nagoya und viele wissenschaftliche Auszeichnungen. So erhielt er 1993 den Forschungspreis der Japan Society for the Promotion of Science.

Alarich Weiss. Bild: Roman Grösser

Lageplan: Neue Straßennamen auf dem Campus Lichtwiese

Die geänderten Straßen-Bezeichnungen und Hausnummern treten zum 15. Oktober 2013 offiziell in Kraft – ab dann gelten sie als neue Adressen für Post, Besucher, Navigations-Systeme und auf TU-Webseiten.

In einem Info-Schreiben an alle TU-Beschäftigten erläutert Kanzler Dr. Manfred Efinger (wird in neuem Tab geöffnet) den Schritt, der durchaus „für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Campus Lichtwiese mit etlichem Aufwand verbunden ist“. Die Verwaltung hat bereits Vorarbeiten geleistet: So hat etwa das Dezernat Bau und Immobilien ein übersichtliches Verzeichnis aller Liegenschaften auf der Lichtwiese mit jeweiliger Zuordnung zu den neuen Straßennamen und Hausnummern (wird in neuem Tab geöffnet) erstellt. Nach und nach werden außerdem Logistikunternehmen sowie die Anbieter von Navigationssystemen informiert. Schließlich werden von zentraler Seite die Gebäude-Beschilderungen aktualisiert.

feu

Grafik: TU Darmstadt