Beruf und Familie zusammen denken

Vereinbarkeit gelingt nur gemeinsam

07.09.2026 von

Der Tag der Berufstätigen Eltern am 16. September ist weder ein gesetzlicher Feiertag noch ein offizieller internationaler Gedenktag. Er bietet jedoch einen Anlass, die Lebensrealität berufstätiger Eltern und die vielen wertvollen Beiträge zu Gesellschaft und Arbeitsleben in den Blick zu nehmen, die berufstätige Eltern täglich leisten.

Beruf und Elternschaft miteinander zu verbinden, gehört für viele Familien selbstverständlich zum Alltag. Damit geht jedoch ein beträchtliches Arbeitspensum einher: Arbeitszeiten und Kinderbetreuung koordinieren, Ferien überbrücken, Arzttermine organisieren und kurzfristige Ausfälle auffangen. Hinzu kommen Haus- und Sorgearbeit sowie der häufig unsichtbare Mental Load – das Erinnern, Vorausdenken und Organisieren des Familienalltags. Zusammengenommen leisten erwerbsfähige Eltern durchschnittlich knapp 57,5 Stunden Arbeit pro Woche und damit rund zehneinhalb Stunden mehr als Erwachsene ohne Kinder im Haushalt.¹

Die Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit möchten viele Eltern dabei partnerschaftlich gestalten, in der Praxis bleibt sie jedoch häufig ungleich verteilt: Frauen übernehmen im Durchschnitt deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit, gehen länger in Elternzeit und reduzieren häufiger ihre Erwerbsarbeit.² Neben bestehenden Gehaltsunterschieden spielen dabei auch gesellschaftliche Vorstellungen darüber eine Rolle, wer für Kinderbetreuung ‚zuständiger‘ oder vermeintlich besser geeignet sei. So können sich nach der Familiengründung traditionelle Erwerbs- und Sorgearrangements erneut verstärken – trotz individuellem Wunsch nach partnerschaftlicher Verteilung.

Elternschaft im Wissenschaftssystem als Herausforderung

Veranstaltungsreihe „Equal Parenting“ am 16./17.09.
Veranstaltungsreihe „Equal Parenting“ am 16./17.09.

Gerade im Wissenschaftssystem können bestehende Ungleichheiten durch besondere Arbeits- und Karrierebedingungen verstärkt werden: Befristungen, unsichere Perspektiven sowie hohe Anforderungen an Flexibilität, Mobilität und zeitliche Verfügbarkeit erschweren die Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere. Familiengründung fällt damit vielfach in eine Lebensphase, in der die berufliche Zukunft nur begrenzt planbar ist – insbesondere für internationale Wissenschaftler:innen kommen oft weitere Herausforderungen, wie aufenthaltsrechtliche Fragen, Sprachbarrieren und fehlende Unterstützungsnetzwerke hinzu.

Diese Anforderungen betreffen Mütter und Väter gleichermaßen, wirken jedoch vor dem Hintergrund bestehender Geschlechterrollen unterschiedlich. Während sich Wissenschaftlerinnen mit Kindern im Spannungsfeld zwischen den Erwartungen an eine „gute Mutter“³ und der Notwendigkeit bewegen, sich als leistungsfähige Wissenschaftlerin zu behaupten, erleben Väter die aktive Übernahme von Sorgeverantwortung eher im Spannungsfeld mit dem wissenschaftlichen Leistungsethos und den Anforderungen an Verfügbarkeit.⁴

Diese Spannungsfelder greifen wir am 16. und 17. September mit unserer Online-Veranstaltungsreihe „Equal Parenting“ auf.

Unsere Veranstaltungen zum Tag der Berufstätigen Eltern

  • Vortrag | 16. September 2026, 12:00 – 13:30 Uhr
    „Equal Parenting meeting the Gender Care Gap – How care work, mental load and academic careers shape the realty of equal parenting“
  • Workshop | 17. September 2026, 12:00 – 14:00 Uhr
    „Equal Parenting – Mental Load for Scientists“

Mehr Informationen und Anmeldung (wird in neuem Tab geöffnet)

Elternschaft und familienfreundliche Arbeitskultur an der TU Darmstadt

Elternschaft lässt sich jedoch nicht allein unter dem Blickwinkel zusätzlicher Anforderungen betrachten. Denn Erfahrungen aus Sorgeverantwortung können zusätzlich Fähigkeiten und Kompetenzen stärken, die auch im Erwerbsleben von Bedeutung sind. Moderationsfähigkeit, Zeitmanagement, Konfliktfähigkeit, Lösungsorientierung, Organisationsfähigkeit und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel sind nur einige von vielen Kompetenzen, die Beschäftigte durch die Verbindung von Beruf und Familie häufig entwickeln und damit ihr berufliches Umfeld bereichern.5

Auch an der TU Darmstadt gehört zu einer familienfreundlichen Arbeitskultur, die Ressourcen von Beschäftigten mit familiärer Sorgeverantwortung wahrzunehmen und wertzuschätzen. Ob Eltern die unterschiedlichen Verantwortungsbereiche gut miteinander verbinden und die Ressourcen im Beruf einbringen können, hängt dabei wesentlich von den Bedingungen ab, unter denen sie arbeiten.

„Mir ist bewusst, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Alltag nicht immer einfach ist, denn sie ist von vielen Faktoren abhängig„, betont Stefan Weisenseel, Leiter des Dezernats Personal- und Rechtsangelegenheiten. “Ich habe großen Respekt davor, mit wieviel Engagement und Wertschätzung das in vielen Teams gut gelingt. Umso wichtiger ist es für uns, hinzuschauen, wie wir die Arbeitsbedingungen so gestalten können, dass Vereinbarkeit selbstverständlich mitgedacht wird. Das Zusammenwirken familienfreundlicher Arbeitsbedingungen und wertschätzender Arbeitskultur sind entscheidend für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – und ein Schlüssel zum Erfolg unserer Arbeit.“

Das Zusammenwirken familienfreundlicher Arbeitsbedingungen und wertschätzender Arbeitskultur sind entscheidend für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Stefan Weisenseel, Leiter Dezernat Personal- und Rechtsangelegenheiten

Führungskräfte haben bei Vereinbarkeitsthemen eine Schlüsselrolle

Neben zahlreichen Maßnahmen, z.B. zur Kinderbetreuung, Möglichkeiten zur Mobilen Arbeit und gezielten Unterstützungsangeboten kommt der im Arbeitsalltag gelebten Haltung von Führungskräften und Teammitgliedern eine besondere Bedeutung zu. Nach dem Familienbegriff der TU Darmstadt sind alle Mitglieder der Universität dazu aufgerufen, „durch ein respektvolles Miteinander sowie gegenseitige Offenheit und Rücksichtnahme ein unterstützendes Umfeld aktiv mitzugestalten“.

Führungskräfte prägen dabei die Arbeitskultur, Gestaltungsspielräume und den Umgang mit individuellen Vereinbarkeitsbedarfen maßgeblich mit. Zuhören, Interesse am Gegenüber, die Bereitschaft zum Perspektivwechsel, ein beidseitiges Entgegenkommen, wenn Flexibilität erforderlich ist und nicht zuletzt wertschätzendes Vertrauen können wesentlich dazu beitragen, Vereinbarkeit im Arbeitsalltag tatsächlich zu ermöglichen.

Institutionelle Angebote allein reichen deshalb nicht aus.6 Ihre Wirkung entfaltet sich besonders dort, wo Führungskräfte ihrer besonderen Verantwortung für die Gestaltung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen nachkommen und auch Teams das Thema Vereinbarkeit als eine gemeinsame Aufgabe verstehen. So können strukturelle Angebote, individuelle Lösungen und eine familienfreundliche Führungskultur ineinandergreifen und dazu beitragen, Beschäftigte mit familiärer Sorge- und Fürsorgeverantwortung zu unterstützen.

Familienfreundliche Angebote der TU Darmstadt

Quellen

1 Statistisches Bundesamt, Zeitverwendungserhebung 2022.

2 Statistisches Bundesamt, Zeitverwendungserhebung 2022.

3 Zimmermann, Okka / Lilje, Jule Marie (2026): „‚Gute Mutter‘ und/oder ‚gute Wissenschaftlerin‘? Rollenkonflikte, Schuldgefühle und Retraditionalisierung bei akademischen Müttern“, CEWS/journal 2026|2.

4 Haag, Hanna / Rose, Lotte / Blöthner, Marlene: Väter im wissenschaftlichen Berufsfeld. Eine qualitative Untersuchung, Forschungsprojekt am Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen (gFFZ), Frankfurt University of Applied Sciences, Laufzeit 2024–2026. Ergebnisse vorgestellt am 21.05.2026

5 Lask, Joachim E. / Junker, Nina M. (2024): Elterliche Skills in Organisationen. Ressourcenzentrierte Führung und Mitarbeit. Berlin/Heidelberg: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-62564-4

6 Lask, Joachim E. / Junker, Nina M. (2024): Elterliche Skills in Organisationen. Ressourcenzentrierte Führung und Mitarbeit. Berlin/Heidelberg: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-62564-4