Schnelle Fakten

Studie: Was Bahnreisende im Regionalverkehr wissen wollen

22.09.2020 von

Wissenschaftler am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der TU Darmstadt beleuchten das Thema Fahrgastinformation in Zügen der DB Regio AG.

Das Institut für Verkehrsplanung untersucht, welche Informationen für Bahnreisende besonders wichtig sind.

Diese Erfahrung ist Allgemeingut: Der gebuchte Zug ist pünktlich, aber voll, verspätet oder fällt wegen eines Hindernisses aus. Welche Informationen wünschen sich Berufspendler und Freizeitreisende im Regelbetrieb und bei Störfällen? Wann, wie und über welche Informationskanäle sollten in Regionalzügen und S-Bahnen diese Infos am besten bereit – gestellt werden? Forscher der TU Darmstadt und der DB Regio AG haben im Rahmen der Innovationsallianz, welche die Universität und die Deutsche Bahn pflegen, untersucht, wie eine moderne, bedarfsgerechte und flexible Fahrgastinformation im Regionalverkehr aussehen sollte.

„Die Informationsmöglichkeiten halten nicht Schritt mit der aktuellen Digitalisierung und IT“, sagt Manfred Boltze, Professor und Leiter des Institutes für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der TU Darmstadt. Die Züge sind oftmals alt, die Technik nicht auf dem neuesten Stand. Die bisherigen Formen visueller und akustischer Fahrgastinformation wirkten zunehmend überholt, statisch und bedingt durch lange Vertragslaufzeiten installierter Systeme wenig innovativ, so der Verkehrsplaner.

Befragung von rund tausend Fahrgästen

Für ein neues Konzept, das insbesondere die Bedürfnisse der Zugreisenden aufgreift, haben die Forscher rund tausend Bahnkundinnen und -kunden befragt. Die Fragebögen wurden zusammen mit DB-Experten für Tagespendler und andere Reisende in Nahverkehrszügen im Rhein-Main-Gebiet entwickelt. Konkret wurde erhoben, wann sich Fahrgäste welche Informationen wünschen, wie die Lautstärke von Durchsagen geregelt sein sollte, wo Hinweise gut sichtbar platziert sein sollten und welche Fragen und Antworten beispielsweise im Störfall Vorrang haben.

Wichtige Erkenntnis daraus: Der Informationsbedarf unterscheidet sich kaum bei Pendlern, Freizeitreisenden, Studierenden, älteren oder jüngeren Menschen. „Das hat uns überrascht. Wir hatten größerer Differenzen erwartet“, so Professor Boltze. Alle Gruppen wünschen sich danach in erster Linie Informationen über Pünktlichkeit, An- und Abfahrtszeiten, alternative Anschlüsse bei Verspätung oder Betriebsstörung. „Die harten Fakten, zeitnah, zuverlässig und leicht verständlich“, fasst Manfred Boltze zusammen.

Fast die Hälfte der Befragten wünschen sich Informationen über die aktuelle Auslastung des Zuges und zwar bereits an der Station, an der sie auf den Zug warten. Knapp 60 Prozent wollen im Falle einer Fahrtunterbrechung weiterführende Informationen im Zug angezeigt oder angesagt bekommen. Generell ist Wissen über die betriebliche Situation gefragt; Infos zum Wetter, Nachrichten oder Werbung sind für die meisten Fahrgäste nebensächlich und uninteressant.

Wichtig sind laut Boltze rechtzeitige und konsistente Informationen, sodass auf allen Informationskanälen identische Inhalte vorliegen und keine Verwirrung entsteht. Über 80 Prozent der Fahrgäste besitzen ein Smartphone mit installierter Reise-App, über 60 Prozent nutzen diese oft oder sogar bei jeder Reise. Und doch gaben über 30 Prozent an, dass sie ihr Wissen während der Fahrt hauptsächlich aus den Zugmedien beziehen.

Diese müssen daher aktuell, modern, gut sicht- und hörbar sein – auch für mobilitätseingeschränkte Personen. Möglichkeiten für eine umfassende, schnelle Information bieten nach Ansicht der TU-Forscher unter anderem Richtlautsprecher, Seitenscheibendisplays, Infor mationsstelen oder in den Zugabteilen installierte Zusatzdisplays, die freie Sitzplätze oder Gepäckfächer anzeigen.

Weiterführende Informationen

Der Kurzbericht „Moderne Fahrgastinformation – Bedarfsgerecht, flexibel und innovativ unterwegs in Zügen des Regionalverkehrs“ wird in Kürze auf den Webseiten des Institutes für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik publiziert.

Informationsbroschüre über die Innovationsallianz TU Darmstadt und Deutsche Bahn.

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