Nachhaltige Polymere: Viel mehr als Plastik

Nico Bruns besetzt ab 1. Dezember „Nachhaltigkeitsprofessur“ an der TU

29.09.2021 von

Nachhaltige Polymere stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Professor Nico Bruns. Der 45-Jährige wechselt zum 1. Dezember aus Glasgow an den Fachbereich Chemie und besetzt an der TU Darmstadt eine der vom Land geförderten Professuren, die explizit dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet sind.

Professor Dr. Nico Bruns.

Polymere sind heutzutage so viel mehr als Plastik. Sie finden Einsatz zum Beispiel als Hochleistungs-Leichtwerkstoffe, als medizinische Materialien oder als Bausteine für die Nanotechnologie.

Nico Bruns fügt hinzu: „In meiner Forschungsgruppe beschäftigen wir uns unter anderem mit der Fragestellung, wie mit biologischen Katalysatoren Polymere kontrolliert sowohl auf-, wie auch abgebaut werden können. Damit wollen wir langfristig erreichen, die Nachhaltigkeit von Polymeren zu verbessern.“

Polymerchemie behandelt chemische Stoffe, die aus Makromolekülen aufgebaut sind. Sie sorgt auf der einen Seite mit ihren Produkten für große Umweltprobleme, bietet aber andererseits sehr wichtige Lösungsansätze für Nachhaltigkeit, etwa, indem sie neue, umweltfreundliche Werkstoffe liefert. So hat diese Disziplin der Chemie eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft inne. Die Entwicklung funktionaler Polymere besitzt für den Ausbau des Forschungsschwerpunktes „Polymermaterialien“ am Fachbereich Chemie der TU große Relevanz.

Auf diesem wichtigen Feld wird Bruns künftig auch an der TU tätig sein. Sein Forschungsplan umfasst die Etablierung biokatalytischer Reaktionen. Enzyme sollen hier mittels moderner Methoden des Protein Engineerings für die Synthese und den Abbau von Funktionspolymeren maßgeschneidert werden. Ein zweiter Schwerpunkt wird die Katalyse von Polymer-Abbaureaktionen sein, durch den ein wichtiger Beitrag zum chemischen Recycling von Kunststoffen mittels Biokatalyse geleistet werden soll. Der dritte Forschungsschwerpunkt befasst sich mit der Entwicklung von bio-inspirierten Materialien und bio-inspirierten polymeren Nanosystemen für den Einsatz in der Nanotechnologie und in der Biomedizin. Seine Expertise auf dem Gebiet des enzymatischen Plastikabbaus bringt Nico Bruns auch in das Vorhaben „Sustainable Platform Technology for Enzyme-Mediated Recycling of Plastic“ ein, das jüngst als eines von vier Projekten für die Förderung im Rahmen des Merck Sustainability Hubs ausgewählt wurde.

Bruns‘ Forschungstätigkeit wird an der TU und auch darüber hinaus viele Anknüpfungspunkte haben. „Polymerchemie ist intrinsisch interdisziplinär“, sagt er. „Wir benutzen sowohl moderne chemische Synthesemethoden um unsere Makromoleküle herzustellen, als auch biotechnologische Methoden. Zudem erforschen wir die Struktur und Funktionalität unserer Materialien und Nanosysteme in Zusammenarbeit mit Gruppen aus der Physik, den Materialwissenschaften, den Nanowissenschaften und der Pharmazie.“

Zur Person

Nico Bruns studierte Chemie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und promovierte dort von 2003 bis 2007. Nach seiner 18-monatigen Postdoktorandenzeit an der University of California Berkeley (USA) wechselte er zur Habilitation nach Basel. Im Jahr 2013 trat er eine Assistenz-Professur am Adolphe Merkle Institut der Universität Fribourg (Schweiz) an. Seit 2018 ist er Professor für Makromolekulare Chemie an der University of Strathclyde in Glasgow (Großbritannien).

Professor Nico Bruns besetzt eine vom Land geförderte Nachhaltigkeitsprofessur.

Nachhaltigkeitsprofessuren

Die Professur von Nico Bruns gehört zu den „Nachhaltigkeitsprofessuren“ des Landes, die im Rahmen des Hessischen Hochschulpakts 2021–2025 geschaffen wurden. Von 300 neu durch das Land zur Verfügung gestellten W-Professuren sollen die hessischen Hochschulen mindestens je eine mit einem inhaltlichen Bezug zum Thema Nachhaltigkeit besetzen. So sieht es der Hochschulpakt vor. Die Professuren sollen als strategische Ergänzung der bisherigen Lehr- und Forschungstätigkeiten dazu beitragen, Forschung der Hochschulen im Bereich Nachhaltigkeit zu stärken, Interdisziplinarität zu fördern und den Austausch mit der Politik und der Gesellschaft voranzubringen. Die TU erhält laut Hessischem Hochschulpakt 24 zusätzliche Professuren.