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Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Volker Hinrichsen

Thema:

Wie kommt der Nordseewind nach Bayern? Stromfernübertragung für die Energiewende

Abstract:

In Deutschland soll das große Potential an Offshore-Windenergie in der Nord- und Ostsee durch
mehrere, jeweils einige hundert Kilometer lange „Stromautobahnen“ für die großen Verbrauchszentren
im Süden und Westen Deutschlands nutzbar gemacht werden. Die zu übertragende elektrische
Leistung liegt insgesamt in der Größenordnung von 10 Gigawatt. Dabei ist es gesellschaftlicher und
politischer Wille, die Übertragung an Land nicht mit Hilfe von Freileitungen, sondern vorzugsweise in
unterirdischer Verlegung zu realisieren. Technisch bedingt ergibt sich daraus zwingend, dass die
Übertragung nicht „klassisch“ mit Dreiphasen-Wechselspannung („Drehstrom“), sondern mit hoher
Gleichspannung erfolgen muss. Man redet dann von Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ).
Zwar denkt man bei den unterirdischen Leitungen momentan nur an Gleichspannungskabel, aber
auch gasisolierte Leitungen (GIL) sind neuerdings eine mögliche Option. Zur Übertragung der
gewünschten hohen Leistungen und zur Minimierung der Übertragungsverluste soll die
Übertragungsspannung so hoch wie technisch möglich gewählt werden. Sowohl 500 Kilovolt-
Gleichspannungs-Kabelsysteme als auch Gleichspannungs-GIL sind derzeit Gegenstand intensiver
Forschung und Entwicklung. Sie befinden sich allerdings beide noch nicht auf einem
Entwicklungsstand, den man als eine gesicherte Technik bezeichnen könnte. Noch nie zuvor hat man
dermaßen hohe elektrische Leistungen über derart große Distanzen unterirdisch übertragen. Salopp
gesprochen handelt es sich bei diesem Projekt um den weltweit größten Feldversuch einer
unterirdischen HGÜ, verbunden mit Chancen und Risiken, der aber auf Anhieb auch ein zuverlässiges
Rückgrat der zukünftigen deutschen Stromversorgung bilden soll.


Der Vortrag geht auf die technischen Hintergründe einer Stromfernübertragung mittels
Hochspannungs-Gleichstromkabeln ein und zeigt einige der damit verbundenen technischen
Herausforderungen und Lösungsansätze auf, an denen auch an der TU Darmstadt geforscht wird.
Ebenfalls wird auf einen Langzeit-Feldversuch an dem Prototypen einer Gleichspannungs-GIL
eingegangen, der seit einiger Zeit am Standort Griesheim der TU Darmstadt durchgeführt wird.

Wann?

06. Juli 2021, 17:15-18:45

Wo?

Online

Veranstalter

Prof. Herbert De Gersem

Kontakt

 

06
Juli
2021
17:15-18:45

Tags

Ringvorlesung