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18.09.2017

„Innovation durch Verständnis“

40 Jahre Fachgebiet Fahrzeugtechnik an der TU

Das Fachgebiet Fahrzeugtechnik feiert in diesem Jahr 40-jähriges Bestehen. Begangen wurde das Jubiläum mit einem Festkolloquium, einem Festakt und „Fahrzeugtechnik zum Anfassen“ auf dem August-Euler-Flugplatz. Anlässlich der Jubiläumsfeier zieht Fachgebietsleiter Professor Hermann Winner Bilanz.

Bilder: Fernando Baptista

TU Darmstadt: „Innovation durch Verständnis“ – mit diesem Leitwort haben Sie auf der Einladung zur Jubiläumsfeier Ihr Fachgebiet charakterisiert. In der Fahrzeugtechnik hat sich in den vergangenen 40 Jahren viel getan. Der Siegeszug der Mechatronik, Assistenzsysteme und Automatisierung sind nur einige Beispiele. Was hat das Fachgebiet an der TU Darmstadt zur Entwicklung der Disziplin beigetragen?

Prof. Hermann Winner: Alle mit diesen Stichworten verbundenen Themen wurden schon sehr früh als Teil der Fahrzeugtechnik verstanden. In einem Sonderforschungsbereich „Integrierte Mechanische und Elektronische Systeme“ (IMES) wurde die Mechatronik am Fachgebiet etabliert, bevor Mechatronik als Begriff weitläufig verwendet wurde. Auch wurde sehr früh das Thema der Fahrerassistenzsysteme aufgenommen und in der zweiten Generation zum Schwerpunkt ausgebaut.

Aus diesem leitete sich nach der Vorstellung neuer Assistenzfunktion mehr und mehr die systemtechnische Ausprägung ab, insbesondere zur systematischen Qualitätsverbesserung durch neuartige Bewertungsmethoden. Bei der Forschung zum automatisierten Fahren haben wir vor anderen darüber nachgedacht, wie denn ein Sicherheitsnachweis für ein Roboterauto erbracht werden könnte. Dies wurde auch von der Industrie als Weckruf verstanden, diesen Punkt nicht nur nicht zu vergessen, sondern diese Herausforderung zu einem Schwerpunkt der Forschung und Entwicklung zu machen. Natürlich arbeiten wir in verschiedenen Projekten auch daran.

Stichwort Innovation – wohin entwickelt sich Fahrzeugtechnik? An welchen besonders zukunftsweisenden Projekten arbeitet das Fachgebiet gerade?

Die Automatisierung und die elektrische Antriebstechnik werden die Trendthemen der nächsten zehn bis zwanzig Jahre sein. Sie wird nicht nur die Fahrzeuge verändern, sondern auch den Straßenverkehr, da viele Transporte auch im öffentlichen Straßenverkehr fahrerlos durchgeführt werden. Die Grenzen zwischen motorisiertem Individualverkehr und öffentlichem Verkehr werden verschwimmen und unsere Nutzungsgewohnheiten werden sich ändern.

Wir wollen bei der Forschung zur Automatisierung gerade solche Konzepte entwickeln, die in der Industrie nicht im Fokus stehen, aber ein großes Innovationspotenzial versprechen. So werden wir aller Voraussicht nach ab 2018 zusammen mit sechs anderen Universitäten ein Konzept für autonome Fahrzeuge verwirklichen, das sich stark von bisherigen Ansätzen unterscheidet und dem Modewort „disruptiv“ wirklich Inhalt gibt. Weiterhin wollen wir untersuchen, ob und wie weit sich Ansätze und Technik zum automatisierten Fahren auf Straßenbahnen übertragen lassen.

Analog zur Mechatronik früher werden wir die heutigen Schwerpunkte der Digitalisierung wie Big Data und maschinelles Lernen in die Fahrzeugwelt übernehmen, um die zukünftigen Fahrzeuge 5.0 zu entwickeln. Die verändern während der Nutzungsphase ihre Eigenschaften, um dem Nutzer ein optimales Produkt zu bieten.

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