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16.01.2018

„Alternative Fakten“ ist das Unwort des Jahres 2017

Jury verkündet Unwort an der TU Darmstadt

Das Unwort des Jahres 2017 lautet „alternative Fakten“. Damit rügt die Jury der sprachkritischen Aktion den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen. Ebenfalls als Unwörter kritisiert wurden die Begriffe „Shuttle-Service“ und „Genderwahn“.

Jury-Sprecherin Prof. Nina Janich verkündet das Unwort des Jahres 2017. Bild: Patrick Bal
„Alternative Fakten“ ist das Unwort des Jahres 2017. Bild: Patrick Bal

Zum 27. Mal wählte die sprachkritische Aktion „Unwort des Jahres“ einen Begriff aus der öffentlichen Kommunikation, der „gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstößt“.

Der Ausdruck „alternative Fakten“ stammt aus den USA und ist nur mit einem einzelnen Redebeitrag belegt: als die Beraterin von Donald Trump, Kellyanne Conway, die falsche Behauptung, zur Amtseinführung des Präsidenten seien so viele Feiernde auf der Straße gewesen wie nie zuvor, als „alternative Fakten“ bezeichnete.

Laut Jury sei der Ausdruck seitdem auch in Deutschland zum Synonym und Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, vor allem auch in den sozialen Medien, geworden. „'Alternative Fakten' steht für die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten auf Faktenbasis durch nicht belegbare Behauptungen zu ersetzen, die dann mit einer Bezeichnung wie 'alternative Fakten' als legitim gekennzeichnet werden.„

Wie sich “alternative Fakten" aus fotografischer Sicht darstellen, zeigt die Fotoausstellung zum Unwort des Jahres ab 01. März im Staatstheater Darmstadt.

Außerdem wurden als Unwörter kritisiert:

Shuttle-Service

Der Begriff wurde vom innenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer, über die Seenotrettungseinsätze im Mittelmeer für Menschen, die in Schlauchbooten flüchten, geäußert. Diese bedeuteten „de facto einen Shuttle-Service zum italienischen Festland“. Für die Jury diffamiere der Ausdruck „Shuttle-Service“ sowohl die flüchtenden Menschen, als auch jene, die ihnen helfen. Der Begriff stehe daher „stellvertretend für Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, die Grenzen des Sagbaren in eine menschenverachtende, polemisch-zynische Richtung zu verschieben.“

Genderwahn

Das Wort „Genderwahn“ wird kritisiert, weil in konservativen und rechtspopulistischen Kreisen zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit (von geschlechtergerechter Sprache über „Ehe für alle“ bis hin zu Anstrengungen um die Anerkennung von Transgender-Personen) in undifferenzierter Weise diffamiert würden.

Unwort-Statistik 2017

Die Jury erreichten 2017 insgesamt 1316 Einsendungen. Darunter waren 684 verschiedene Ausdrücke, von denen ca. 80 den Unwort-Kriterien der Jury entsprachen. Außerdem erhielt das diesjährige Jury-Mitglied Barbara, eine mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete anonyme Street-Art-Künstlerin, ca. 3500 Postings von möglichen Unwörtern über die sozialen Netzwerke.

Die zehn häufigsten Einsendungen aus den Zuschriften an die Jury, die allerdings nicht zwingend den Kriterien der Jury entsprechen, waren Babycaust (122), alternative Fakten (65), Nazi (34), Sondierungsgespräche (27), ergebnisoffen (21), Jamaika-Koalition (18), atmender Deckel (16), Obergrenze (16), Fake News (16) und Bio-Deutsche(r) (15).

Die Jury

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