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23.01.2018

Scratch und die Superhelden

Fachbereich Informatik bietet Schülern einen Workshop zu Datenjournalismus an

Im Computer-Laborraum des Piloty-Gebäudes der TU Darmstadt herrscht ein Geräuschpegel wie sonst selten. Vor jedem der PCs sitzen zwei bis drei Mädchen und Jungen und diskutieren, wie das Experiment denn nun richtig ablaufen muss. Normalerweise gehen die 13-Jährigen in die siebte Klasse des Lichtenberg-Gymnasiums. An diesem Tag jedoch nehmen sie am Workshop „Abenteuer Datenjournalismus“ im Fachbereich Informatik teil.

Die TU Darmstadt will Schülerinnen und Schüler schon früh für Informatik begeistern. Bild: Astrid Ludwig
Die TU Darmstadt will Schülerinnen und Schüler schon früh für Informatik begeistern. Bild: Astrid Ludwig

Am Computer sollen die Kinder eine Word Cloud erzeugen, eine Wortwolke mit Texten und Wörtern, die sich mit den Figuren aus dem Marvel-Universum befassen. 27 Teenager bei Laune zu halten, ist nicht einfach. Um ihre Aufmerksamkeit zu fesseln, sind die Namen von Superhelden aus Comicwelten ein guter Anfang. Spider-Man, Marvel oder Hulk, das klingt spannend und auf jeden Fall so gar nicht nach Schule. Die Schülerinnen und Schüler gehören zum fiktiven Team eines großen Online-Magazins und sollen eine eigene Story und einen Kurzfilm über Comic-Helden präsentieren. Sanda Schäfer, Masterstudentin der Wirtschaftsinformatik, und Kyra Wittorf, die im dritten Semester Informatik studiert, haben die Betreuung der Klasse übernommen.

Zusammen mit ihrem Kommilitonen Nam Tran üben sie mit den Kindern erste Schritte in der visuellen Programmiersprache Scratch und geben ihnen Einblicke in den Datenjournalismus am Beispiel von Word Clouds. Wie ist ein Scratch-Programm aufgebaut und welche Möglichkeiten gibt es, eine interaktive Geschichte zu programmieren? Was sind Word Clouds überhaupt und auf welchen Methoden der Textanalyse bauen sie auf? Können sie helfen, aus der Flut an Daten die richtigen und wichtigen Informationen heraus zu filtern?

Datenjournalismus, Fake News, Digitalisierung – ganz aktuelle Themen, mit denen die Macher des Workshops die jungen Schüler und insbesondere auch Schülerinnen für die Informatik interessieren wollen. „Wir denken, dass Themen wie Medien und Texte Mädchen besonders Spaß machen könnten“, sagt Professorin Iryna Gurevych. Sie ist die Leiterin des Graduiertenkollegs AIPHES, das die Workshops konzipiert hat und wissenschaftlich betreut. Mit Christopher Tauchmann und Benjamin Hättasch begleiten zwei Doktoranden an diesem Tag den Schüler-Workshop. Insgesamt elf Doktoranden und elf Nachwuchswissenschaftler und Wissenschaftlerinnen befassen sich bei AIPHES seit 2015 mit dem Szenario des Datenjournalismus. Sie suchen in erster Linie algorithmische Antworten auf die Frage, wie man in Zeiten der Informationsflut mit der Vielzahl an Quellen umgeht und wie sich heterogene Inhalte zusammenfassen lassen.

Jugendliche sollen das Fach Informatik kennenlernen

Für die Workshops wurden Schulklassen der siebten Jahrgangsstufe gezielt ausgesucht, „weil in gerade dieser Altersklasse die Informatik als Wahlpflichtfach gewählt werden kann“, betont Gurevych. „Die Jugendlichen sollen das Fach kennenlernen.“ Das TU-Forscherteam will die Teenager früh für diese Wahlmöglichkeit begeistern.

Linus und Maximilian müssen nicht mehr groß motiviert werden. „Mir gefällt der Workshop gut“, sagt der blonde Linus. Schon während der Projektwochen in der Schule hat er in der AG Informatik mitgemacht und mit Scratch erste Programmierversuche unternommen. Auch die 13-jährige Layla findet den Unterricht an der TU „besser als Schule“. Sie und ihre Freundin Tshimi sind jedoch schon ganz ungeduldig, weil sie lieber einen eigenen Text und Kurzfilm verfassen wollen. Maximilian ist der Computer-Freak der Jahrgangsstufe. „Ich will mal Spiele-Programmierer werden“, sagt er selbstbewusst. Mit Scratch oder Python arbeitet er schon lange in seiner Freizeit, und er ist es auch, der später vor der Klasse erklärt, wie die visuelle Programmiersprache funktioniert. Die Studentinnen Sandra und Kyra haben extra einen Schüler dafür ausgewählt, „der das in seiner eigenen Sprache erklären kann“. Das motiviert die Mitschüler, hoffen sie.

Kevin Chugg ist Mathe- und Physiklehrer an der Lichtenbergschule und begleitet die Klasse. Insgesamt sechs siebte Klassen – die gesamte Jahrgangsstufe – werden jeweils einen Tag an der TU unterrichtet. Die Eltern der Kinder und auch er selbst sind sehr angetan von dem Angebot der Universität. „Da kann auch ich als Lehrer noch etwas lernen“, sagt der Brite.

Das Graduiertenkolleg holt das Feedback der Schulklassen über einen Fragebogen ein. Bisher wurden über 80 ausgefüllt, berichtet Gurevych. 73 Befragte gaben an, dass das Thema interessant sei und 77 hatten das Gefühl, etwas gelernt zu haben. Der Workshop dauert – mit Essen in der Mensa – einen ganzen Tag. 49 Schüler/innen kreuzten an, sie wären gerne noch länger geblieben. „Es war spannender als erwartet. Es war cool und hat Spaß gemacht“, lautet ein Fazit, das immer wieder genannt wurde.

Infobox

Programmieren ist langweilig und kompliziert? Mit dem Workshop „Abenteuer Datenjournalismus“ will die TU Darmstadt Schülerinnen und Schüler schon früh für die Informatik begeistern. Das Graduiertenkolleg AIPHES (Adaptive Informationsaufbereitung aus heterogenen Quellen) im Fachbereich Informatik hat ein Angebot für siebte Klassen konzipiert, bei dem Teenager im TU-Labor spielerisch lernen, eine kleine Story zu programmieren und ihre Datenanalyse-Ergebnisse zu präsentieren. Vor allem auch Mädchen sollen durch den Workshop für Informatik interessiert werden. Bisher haben Klassen der Darmstädter Justus-Liebig- und der Lichtenbergschule teilgenommen. Das Graduiertenkolleg unter Leitung von TU-Professorin Iryna Gurevych wird in Kooperation mit der Universität Heidelberg und dem Heidelberger Institut für Theoretische Studien von 2015 bis 2019 von der DFG gefördert. Für die Workshops stehen jährlich bis zu 15.000 Euro bereit.

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