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02.02.2018

Zu Land und zu Wasser

Zwei TU-Studentinnen berichten von ihrem etwas anderen Praktikum in Nicaragua

Chantal Kipp und Anna Bach, Studentinnen der Umweltingenieurwissenschaften an der TU Darmstadt, verbrachten drei Monate in Nicaragua, um die Gewässerbelastung und den Verlauf des Flusses Río Pochote zu untersuchen. Hier schildern sie ihre Erlebnisse in Zentralamerika.

Anna Bach (im Bild) und Chantal Kipp waren auf dem Río Pochote unterwegs. Bild: Chantal Kipp
Anna Bach (im Bild) und Chantal Kipp waren auf dem Río Pochote unterwegs. Bild: Chantal Kipp

Am Ende unseres Masterstudiengangs der Umweltingenieurwissenschaften an der TU Darmstadt absolvierten wir ein dreimonatiges Praktikum in Kooperation mit der Partneruniversität, der Universidad Tecnológica La Salle (ULSA), in León in Nicaragua. Der Praktikumsinhalt bestand darin, den an das Stadtgebiet angrenzenden Fluss Río Pochote – einen Zufluss des Río Chiquito – zu untersuchen. Dabei befassten wir uns mit der Vermessung und der Dokumentation des Gewässerverlaufs sowie der -belastung.

Bepackt mit Gummistiefeln, GPS-Gerät und Kamera sind wir zu insgesamt acht Flussbegehungen aufgebrochen, bei denen wir tatkräftige Unterstützung von nicaraguanischen Studierenden der ULSA hatten. Hierbei handelte es sich jedoch nicht um romantische Ausflüge an den Fluss, sondern um harte Arbeit bei 35 bis 40°C, bei der es galt, sich dem eigenen Ekelempfinden zu stellen und den Geruchssinn abzuhärten.

Denn trotz einer nahezu natürlichen Umgebung ist der Verschmutzungsgrad des Flusses sehr hoch. Das liegt zum Beispiel daran, dass dort häusliche Abfälle abgeladen und unzureichend geklärte Abwässer eingeleitet werden.

So trug am Ende der Begehungen Abwasser im Schuh zur allgemeinen Erheiterung und nicht mehr zum allgemeinen Würgereflex bei. Wenn der Fluss zu tief wurde und wir deshalb einige Meter auf die Uferbereiche ausweichen mussten, gehörten auch richtiggehende Dschungeldurchquerungen zum Programm, leider immer ohne Machete.

Deshalb griffen wir für den letzten Flussabschnitt auf die sportlichste Variante zurück und paddelten den Río Pochote mit zwei Kajaks entlang. Stromschnellen und Wehrabschnitte passierten wir mehr oder weniger gekonnt. Spätestens nach dieser Aktion mussten auch sämtliche Kleidungsstücke abgekocht werden.

Parallel zu unseren abenteuerlichen Flussbegehungen wurden die aufgenommenen Daten aufbereitet und in ein geografisches Informationssystem eingearbeitet. Somit konnten abschließend der Gewässerverlauf, dessen Zuläufe und Frischwasserquellen, aber auch Schmutzwassereinleitungen und Abfallablagerungen in einer Karte dargestellt werden. Unsere Ergebnisse zum Río Pochote tragen zur ganzheitlichen Untersuchung des Río Chiquito im Rahmen der zukünftigen Forschungsarbeit von Dr.- Ing. Jochen Hack bei.

Austauschprogramm mit Nicaragua

Im Rahmen der Partnerschaft mit der Universidad Tecnológica La Salle (ULSA) in Nicaragua werden vielfältige Austauschmöglichkeiten für TU-Studierende angeboten. Seit 2012 werden Studierende für einen dreimonatigen Aufenthalt in León vermittelt, um Praktika im Bereich Kleinstwasserkraft, Gewässerschutz oder Flussgebietsmanagement zu absolvieren. Seit dem Wintersemester 2015/16 werden über das DAAD-finanzierte ISAP-Programm je Semester drei Stipendien für ein sechsmonatiges Auslandssemester an der ULSA vergeben. Die Stipendien decken alle Kosten für Flug, Unterkunft, Verpflegung und Krankenversicherung ab. Studiengebühren werden keine erhoben.

Die Bewerbungsfrist für ein Stipendium für das Sommersemester 2018/19 läuft noch bis zum 28. Februar 2018.

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