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22.10.2018

Ein gutes Rezept: Medizintechnik wird ausgebaut

TU-Präsident Prömel und Elektrotechnik-Professorin Hanson im Interview

Operation gelungen: Der neue Bachelor-Studiengang Medizintechnik, ein gemeinsam von der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt getragenes Angebot, ist mit rund 280 Erstsemestern gestartet. TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel und die bisherige Dekanin des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik, Professorin Jutta Hanson, erläutern Hintergründe und schauen schon in die Zukunft.

TU-Präsident Hans Jürgen Prömel und Professorin Jutta Hanson im Gespräch. Bild: Patrick Bal
TU-Präsident Hans Jürgen Prömel und Professorin Jutta Hanson. Bild: Patrick Bal

Die TU Darmstadt baut die Medizintechnik aus. Was sind die Ziele?

Professor Prömel: An der TU Darmstadt forschen bereits viele Professorinnen und Professoren und deren Teams an medizintechnischen Themen, gerade im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik, aber auch im Maschinenbau und in Informatik, in Materialwissenschaften und der Biologie. Um das Themenfeld noch gezielter und konzentrierter angehen zu können, benötigt die TU Darmstadt aber einen Verbund mit der Universitätsmedizin. Daher kooperieren wir eng mit der Universitätsmedizin in Frankfurt und in Mainz. Die TU Darmstadt steht dabei für die ingenieurwissenschaftliche Perspektive der Medizintechnik.

Professorin Hanson: Gesundheit ist ein Megathema und weltweit eine der ganz zentralen Herausforderungen für Wissenschaft. Neue, smarte Technologien werden hier künftig ganz grundlegende Lösungen eröffnen. Es gibt kaum ein Feld, das so stark in Forschung und Anwendung expandiert wie die Medizintechnik. Und wir haben einen klaren Vor-Ort-Vorteil: Die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main ist mit ihrem industriellen Mix ein führender medizintechnischer Standort. Und diese Stärke soll auch in der Wissenschaft sichtbar werden. Die Rhein-Main-Universitäten bieten im Verbund hierfür gute Voraussetzungen.

Wie wird der neue Bachelorstudiengang Medizintechnik angenommen?

Prömel: Die Resonanz ist hervorragend. Rund 280 junge Leute haben sich eingeschrieben. Mit dieser hohen Zahl hatten wir nicht gerechnet.

Hanson: Offenbar haben wir einen optimalen Zeitpunkt erwischt: Wir spüren immer stärker den Wunsch nach interdisziplinären Studiengängen mit hochkarätigen Inhalten – und den können wir mit Medizintechnik erfüllen. Außerdem ist es bemerkenswert, dass rund 40 Prozent der Eingeschriebenen Frauen sind. Die Medizintechnik hat es damit auf Anhieb auf die Liste unserer Ingenieurstudiengänge mit den höchsten Frauenanteilen geschafft. Damit steigt die Frauenquote unter allen Neu- und Ersteinschreibungen im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik deutlich. Ein Effekt, der uns ermutigt, hier dran zu bleiben. Mich freut es, dass die Medizintechnik offenbar viele Studentinnen interessiert, die sonst eher keinen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang gewählt hätten.

Was zeichnet den Studiengang besonders aus?

Prömel: Er bringt zwei Welten zusammen, Ingenieurwissenschaften und Medizin. 80 Prozent des Studiums finden an der TU Darmstadt in ingenieurwissenschaftlichen Fächern statt, im Kern im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik. Hinzu kommen 20 Prozent an medizinischen Lehrveranstaltungen, die in der Universitätsmedizin der Goethe-Universität Frankfurt besucht werden. Spezifische medizintechnische Themen bilden eine Brücke.

Hanson: Wir bilden mit dem Studiengang Ingenieurinnen und Ingenieure aus, welche die Sprache der Medizin sprechen und neue Fragestellungen von Ärztinnen und Ärzten etwa hinsichtlich diagnostischer und operativer Verfahren verstehen. Sie werden damit mit Medizinerinnen und Medizinern hervorragend zusammenarbeiten können – das ist eine zentrale Voraussetzung für technische Lösungen mit hohem medizinischem Nutzen.

Weitere Stimmen zum neuen Studiengang:

Professor Jürgen Adamy, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik

Professor Tran Quoc Khanh, Dekan des Fachbereichs etit

Professor Stephan Rinderknecht, Dekan des Fachbereichs Maschinenbau

Professor Stefan Katzenbeisser, Dekan des Fachbereichs Informatik


Was folgt perspektivisch nach dem Bachelorstudium?

Hanson: Wir werden selbstverständlich auch den Master in Medizintechnik anbieten und entwickeln gerade den Studiengang. Während der Bachelor breite Grundlagen vermittelt, wird der Master auf spezifischen Stärken in der Medizintechnik fokussieren. Über die Elektrotechnik hinaus sollen sich darin auch weitere Fachbereiche der TU Darmstadt einbringen, vom Maschinenbau bis zu den Materialwissenschaften und der Informatik. Auch der Master soll ein Kooperationsstudiengang im Verbund der Rhein-Main-Universitäten sein.

Prömel: Nach dem Master eröffnen sich interessante Optionen. Eine spannende Möglichkeit ist eine Promotion, denn durch ihre interdisziplinäre Ausbildung werden die Absolventinnen und Absolventen bei ingenieurwissenschaftlichen wie medizinischen Forschungsgruppen im In- und Ausland begehrt sein. Ich sehe auch für die Ausgründung von Unternehmen interessante Möglichkeiten. Die Medizintechnik bietet wirklich außergewöhnlich gute Chancen für neue Geschäftsideen.

Wie entwickelt sich die Forschung in der Medizintechnik zwischen den drei Rhein-Main-Universitäten?

Prömel: Wir sind auf sehr gutem Weg, ein prägnantes und konkurrenzfähiges Forschungsprofil zu entwickeln, das auch für weitere Kooperations-Konstellationen anschlussfähig ist. Besonders wichtig für die TU Darmstadt ist die nun anstehende Besetzung von vier Medizintechnik-Professuren. Wir berufen auf drei neue Professuren in der Elektrotechnik und auf eine neue im Maschinenbau. Wir werden intensiv darauf achten, dass diese Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowohl in die TU Darmstadt als auch in das kooperative Umfeld der Rhein-Main-Universitäten passen. Denn sie werden dieses auf Jahre hinaus auch sehr stark prägen.

Hanson: Ich bin zuversichtlich, dass sich Forschungskooperationen Stück für Stück weiter vertiefen werden, besonders natürlich mit den drei neuen Professuren in der Elektrotechnik. Wir arbeiten aber bereits auch auf einer ganzen Reihe von Gebieten eng zusammen. Etliche Felder werden gezielt gefördert, etwa neuartige hochspezialisierte Analyseverfahren zur Erkennung von Tumorgewebe.

Eine Studentin mit einer High-Tech-Beinprothese. Bild: Jan-Christoph Hartung



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