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16.05.2018

Ingenieurwissenschaft trifft Medizin

Drei Fragen zum Studiengang Medizintechnik

Zum Wintersemester 2018/19 startet der gemeinsame Kooperationsstudiengang Medizintechnik der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt. Jürgen Adamy, Professor am Fachbereich Elektro- und Informationstechnik der TU Darmstadt, und Professor Robert Sader, Studiendekan Klinik des Fachbereichs Medizin an der Goethe-Universität Frankfurt, berichten, was das Besondere am neuen Studiengang ist.

Professor Robert Sader. Bild: Universitätsklinikum Frankfurt
Professor Robert Sader. Bild: Universitätsklinikum Frankfurt

Worin sehen Sie die Vorteile eines Kooperationsstudiengangs zwischen zwei Universitäten und zwei so unterschiedlichen Fachdisziplinen?

Robert Sader: So verschieden die Fachgebiete sind, in der Medizintechnik sind sie untrennbar verbunden. Hier entstehen Innovationen nur durch enge Kooperation, wenn die Medizin klinische Probleme vorgibt und überprüft, ob die Lösungen der Ingenieure sinnvoll sind. Hinzu kommt, dass beide Unis zu den deutschen Spitzenuniversitäten zählen. Durch die Verbindung entsteht ein einzigartiger Mehrwert für Forschung und Lehre und die Studierenden werden sich dann in beiden Welten sicher bewegen können.

Jürgen Adamy: In der Medizin werden viele technische Geräte für die Diagnose und Therapie eingesetzt. Beispiele sind Kernspintomografen, Herzschrittmacher und Geräte der Strahlentherapie. Ingenieurinnen und Ingenieure, die solche Systeme entwerfen und bauen wollen, müssen sowohl Kenntnisse der Ingenieurwissenschaften als auch der Medizin besitzen. Daher ist ein Kombinationsstudiengang der Fakultäten für Medizin und Elektrotechnik die geeignetste Ausbildung hierfür.

Auf welche Zukunftsfragen werden die Studierenden, die heute ein Studium der Medizintechnik anfangen, Antworten finden müssen?

Adamy: Die Gerätemedizin wird zunehmend komplexer und damit auch kostenintensiver. Zentrale Ziele von Medizintechnikerinnen und -technikern sind daher zum einen die Beherrschung der erforderlichen Techniken und der Entwurf von Systemen, die trotz ihrer Komplexität von Ärztinnen und Ärzten einfach bedienbar sind. Zum anderen muss es auch ihr Ziel sein, die Effizienz solcher Systeme zu erhöhen, um so die Kosten zu senken und die Verfahren der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Sader: Im rasch wachsenden Gesundheitsmarkt hat die Medizintechnik eine Spitzenstellung. Künftige Ingenieure müssen interdisziplinär denken und medizinische Probleme verstehen können, um maßgeschneiderte Antworten zu finden. Das Spektrum reicht von zum Beispiel bildgebenden Geräten, Mikrosensoren/-aktoren bis zu Simulations- und Planungssoftware.

Professor Jürgen Adamy. Bild: Valentina Ansel
Professor Jürgen Adamy. Bild: Valentina Ansel

Neben Ihren Aufgaben in Lehre und Forschung haben Sie sich zusätzlich stark für die Einführung des Kooperationsstudienganges Medizintechnik engagiert: Was war Ihre persönliche Motivation hierfür?

Sader: Ich habe meine ersten zwölf Berufsjahre an der TU München verbracht und meine Forschung war immer interdisziplinär mit den Ingenieurwissenschaften. Für mich bedeutet die aktuelle Entwicklung »back to my roots«. Die Frankfurter Forschung ist traditionell internistisch-pharmakologisch dominiert, und meine Vision ist, moderne pharmakologische und medizintechnische Forschung miteinander zu kombinieren.

Adamy: Die Medizintechnik ist ein technisch hoch innovatives Feld und weist ein stark wachsendes Anwendungspotenzial auf. Sie hilft Menschen. Das und die Idee, jungen Menschen ein interessantes Studium und hervorragende Berufsaussichten zu ermöglichen, waren eine wesentliche Motivation bei der Schaffung des neuen Studiengangs. Professor Jürgen Adamy und Professor Robert Sader sind die Mit-Initiatoren und fachlichen Ansprechpartner des Studiengangs Medizintechnik.

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