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14.10.2019

Open Access an der TU – der pragmatische Weg

Grundsatzbeitrag zur uni-strategischen und -politischen Stoßrichtung

Professorin Andrea Rapp, TU-Vizepräsidentin für wissenschaftliche Infrastruktur, beschreibt den Wert eines freien Zugangs zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Das Ziel der TU: An der TU Darmstadt entstehende Publikationen und zur Publikation bestimmte Forschungsdaten und Forschungsergebnisse sollen möglichst ohne Einschränkungen unter einer freien Lizenz zugänglich und nachnutzbar sein.

Eine offene Wissenschaft (Open Science), wie sie in Wissenschaft und Gesellschaft diskutiert wird, umfasst viele Aspekte, insbesondere den freien Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen (Open Access), transparente Begutachtungsverfahren (Open Peer Review), offene Bildungsmaterialien (Open Educational Resources) oder quelloffene Technologien (Open Source). Die von der TU Darmstadt 2015 unterzeichnete »Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen« von 2003 stellte den Zugang zu wissenschaftlichem Wissen und zum kulturellen Erbe in den Mittelpunkt, mittlerweile ist die Bewegung wesentlich breiter und differenzierter.

OA-Bewegung

Katrin Binner – © Katrin Binner
Professorin Andrea Rapp

Befördert durch die sogenannte »Zeitschriftenkrise« mit den für viele Institutionen nicht mehr finanzierbaren Preissteigerungen der Monopolverlage sucht die Allianz der Wissenschaftsorganisationen mit dem Projekt DEAL (www.projekt-deal.de) Wege zu einer Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens hin zu Open Access (OA), ebenso wie vergleichbare Initiativen in vielen anderen Ländern (zum Beispiel Niederlande, Schweden, USA). Als Mitbegründerin der OA-Bewegung ist beispielsweise die Max-Planck-Gesellschaft politisch wie organisatorisch eine wichtige treibende Kraft.

Das CWTS Leiden Ranking hat 2019 erstmals OA als Indikator erhoben: Die Top-3-Universitäten in Deutschland mit einem Anteil von zum Teil weit über 50 Prozent OA-Publikationen sind Exzellenzuniversitäten: Konstanz, Heidelberg, Bonn.

Auch in der Politik und bei den nationalen und internationalen Fördergebern wird OA immer wichtiger: In der cOAlition S haben sich 2018 mehrere EU-Förderinstitutionen zusammengeschlossen und eine Strategie erarbeitet, wie der Strukturwandel im wissenschaftlichen Publikationswesen hin zu Open Access und Open Science weiter vorangetrieben werden kann. Dazu gehört, dass staatlich finanzierte Forschungsergebnisse ab 2021 Open Access publiziert werden müssen.

Open-Access-Policy

Grundsätzlich werden zwei Zugänge unterschieden: Der Goldene Weg steht für die OA-Erstveröffentlichung, der Grüne Weg für die Selbstarchivierung beziehungsweise Zweitveröffentlichung, in der Regel auf institutionellen Repositorien. Auch für die Forschenden der TU Darmstadt hält OA großes Potenzial für die bessere Verbreitung, Nutzung, Zitation und Rezeption ihrer Publikationen bereit. Daher gibt es bereits heute zahlreiche OA-Aktivitäten und -Angebote, die zukünftig ausgebaut und weiterentwickelt werden sollen: Beratung, Zweitveröffentlichungsservice, TUprints als Repositorium, OA-Fonds, Betrieb des Open-Journal-Systems, Open-Learn-Ware, TUdatalib und andere mehr.

Aus der bisherigen Arbeit der im Juni 2018 als TU-weites Diskussionsforum gegründeten AG Open Access resultiert die im September final vom Präsidium verabschiedete Open-Access-Policy, auf deren Grundlage Maßnahmen zur OA-Förderung sowie eine umfassende Strategie zu ihrer programmatischen Umsetzung entwickelt werden sollen. Der Senat hatte in seiner Sitzung am 26. Juni 2019 zur OA-Policy seinerseits positiv Stellung genommen. In der OA-Policy spricht sich die TU Darmstadt unter Berücksichtigung der disziplinären Besonderheiten explizit dafür aus, dass »an der TU Darmstadt entstehende Publikationen und zur Publikation bestimmte Forschungsdaten und Forschungsergebnisse möglichst ohne Einschränkungen unter einer freien Lizenz zugänglich und nachnutzbar sein« sollen.

Ferner werden die unterschiedlichen Fächerkulturen, aber auch die Sicherstellung der Qualität wissenschaftlicher Publikationen in den Fokus gerückt. Weitere Schwerpunkte liegen auf der OA-Publikation von Forschungsdaten sowie auf Open Educational Resources. Diese beiden Handlungsfelder haben das Potenzial, profilbildend für die TU zu wirken. Das Präsidium unterstreicht mit dieser OA-Policy noch einmal mehr seinen Willen, Open Access intensiv zu fördern, Anreizsysteme hierfür zu schaffen und die Angehörigen der TU Darmstadt umfassend hierin zu unterstützen.

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