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16.10.2019

Von Darmstadt aus zum Physik-Nobelpreis

Vor 50 Jahren promovierte Nobelpreisträger Peter Grünberg an der TU Darmstadt

Vor 50 Jahren bestand der Physiker Peter Grünberg seine Promotion und legte in Darmstadt den Grundstein für seine beeindruckende wissenschaftliche Karriere, die ihm im Jahr 2007 den Physik-Nobelpreis einbrachte.

Grünberg (1939 – 2018) wurde vor 80 Jahren in Pilsen im heutigen Tschechien geboren und wuchs im hessischen Lauterbach (Kreis Vogelsberg) auf. Nach seiner Schulzeit studierte er Physik, zunächst in Frankfurt und ab 1963 an der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt. Im Jahr 1966 erhielt er sein Diplom und promovierte anschließend an der TH Darmstadt. Nach seiner Promotion im Jahr 1969 folgte ein dreijähriger Forschungsaufenthalt in Kanada an der Carleton University in Ottawa. Ab 1972 war Grünberg wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Festkörperforschung am Forschungszentrum Jülich (Kreis Düren, NRW). 1984 erfolgte die Habilitation an der Universität Köln, wo er zunächst als Privatdozent lehrte und später als außerplanmäßiger Professor.

Im Jahr 2007 erhielt Peter Grünberg den Nobelpreis in Physik. Den Preis, der mit 1,1 Millionen Euro dotiert war, teilte er sich mit dem französischen Physiker Albert Fert von der Université Paris-Sud. Beide Forscher wurden für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstandseffekts (Giant Magnetoresistance Effect, kurz GMR) geehrt. Sie entdeckten den GMR-Effekt unabhängig voneinander im Jahr 1988. Der Effekt dient dem genauen Auslesen von Datenmengen. Diese Daten sind auf kleinstem Raum in noch kleineren Bereichen mit unterschiedlicher Magnetisierung gespeichert. Ein Sensor nutzt den GMR-Effekt und registriert diese winzigen Unterschiede als messbare Änderung. Der GMR-Effekt ermöglichte den Durchbruch zu Gigabyte-Festplatten. Durch die Grundlagenforschung der beiden Wissenschaftler konnten deutlich kleinere und leistungsfähigere Festplatten hergestellt werden. Ab 1997 brachte der amerikanische Hard- und Softwarehersteller IBM den ersten GMR-Lesekopf für Computerfestplatten auf den Markt.

Nobelpreis vorausgesagt

Der Nobelpreis erinnerte Peter Grünberg an eine lustige Anekdote aus seiner Studienzeit in Darmstadt. In einem Interview aus Anlass der Nobelpreisverleihung scherzte Grünberg, dass ihm schon damals einer seiner Professoren voraussagte, den Nobelpreis zu gewinnen, da er nun einmal deutlich früher und motivierter die Uni besuchte als seine Kommilitoninnen und Kommilitonen.

Mehr als 30 Jahre forschte Grünberg in Jülich, bis er im Jahr 2004 in den Ruhestand ging. Die Benennung eines dortigen Institutes zu seinen Ehren folgte. Das Peter Grünberg Institut (PGI) widmet sich der Grundlagenforschung für die Informationstechnologie der Zukunft sowie verwandten Bereichen. Das Forschungszentrum Jülich gehört heute mit seinen fast 6.000 Mitarbeitern zu den größten Forschungseinrichtungen in Europa.

Schon vor dem Nobelpreis wurden Peter Grünberg zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen zuteil. So erhielt er unter anderem 1998 den Deutschen Zukunftspreis vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog und wurde 2006 zum »Europäischen Erfinder des Jahres« gekürt. Im Jahr 2007 erhielt Grünberg den mit 350.000 Euro dotierten und international angesehenen Japan-Preis.

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