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2020/01/09

Die Sprache lernen und sich heimischer fühlen

Nachfrage nach Deutschsprachkursen für die internationale Wissenschaftsgemeinde der Universität steigt

Seit 2017 bietet das Welcome Centre gemeinsam mit dem Sprachenzentrum der TU Deutschkurse für die internationale Wissenschaftsgemeinde der Universität an. Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs, Forscherinnen und Forscher und ihre Angehörigen sollen sich ins tägliche Leben der Stadt und der TU so besser integrieren und heimisch fühlen können. Das kommt gut an. Die Nachfrage für die Kurse ist rasant gestiegen.

Izadora Silva Pimenta lebt seit August in Darmstadt. Die Brasilianerin stammt aus der Nähe von São Paulo, hat ihren Master an der „Universidade Estadual de Campinas“ gemacht. An die TU, erzählt die 27-Jährige, ist sie gekommen, um bei Prof. Dr. Marcus Müller ihren Doktor in Digitaler Linguistik zu machen. Dessen Ruf ist ihm bis nach Südamerika vorausgeeilt. „Bei uns gibt es nicht so viele Forscher in diesem Feld“, berichtet Izadora Silva Pimenta. Die Wissenschaftssprache im Team ist Englisch, aber als Sprachforscherin möchte sie Deutsch lernen. Schließlich, sagt sie, wird sie die nächsten drei oder vier Jahre hier leben. „Ich möchte einkaufen gehen, mich im Alltag zurechtfinden, mit den Menschen reden können.“

Noch klappt das nicht so ganz. Die Brasilianerin ist seit Oktober im A1-Grundkurs, den das Welcome Centre gemeinsam mit dem Sprachenzentrum der TU anbietet. Zweimal die Woche – jeweils dienstags und donnerstags oder montags und mittwochs – büffelt sie nun am Abend gemeinsam mit anderen internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in ihrer Sprachenklasse deutsche Vokabeln und Grammatik. „Deutsch ist eine herausfordernde Sprache. Wirklich ganz anders als alles, was ich bisher gelernt habe“, sagt die junge Frau und lacht.

Ihr Landsmann Leonardo Ribeiro kann da nur zustimmen. „Ich bin schon ein Jahr in Darmstadt, aber mehr als die Basics in Deutsch gehen noch nicht“, bedauert er. Der 30-Jährige stammt aus Rio de Janeiro, macht seinen Doktor am Fachbereich Informatik der TU. Die Arbeit im Team ist intensiv, sagt Ribeiro. Viel Zeit zum Deutschlernen und Üben bleibt da nicht immer. In Darmstadt käme er überall auch ohne Sprachkenntnisse klar. „Die Leute sind nett. Alle sprechen Englisch mit Dir, doch ich möchte gerne Deutsch lernen.“ Immerhin: Als er hier ankam, konnte er kein Wort verstehen und sprechen. „Jetzt ist es schon leichter geworden, ich verstehe viele Worte und erkenne auch sofort, ob jemand deutsch spricht.“

Leonardo Ribeiro schreibt seine Doktorarbeit bei Prof. Dr. Iryna Gurevych. Die Informatikerin, spezialisiert auf Automatische Sprachverarbeitung, gründete und leitet die Arbeitsgruppe „Ubiquitous Knowledge Processing“ (UKP) am FB Informatik. Die Arbeitsgruppe war der Grund, dass sich der 30-Jährige an der TU beworben hat. Seine Frau ist mit ihm aus Südamerika nach Deutschland gekommen. Auch sie besucht die Sprachkurse des Welcome Centres. „Sie spricht mittlerweile schon besser als ich und schickt mir zum Üben immer SMS auf Deutsch“, amüsiert er sich. Der Brasilianer freut sich über das vielseitige Kursangebot der Universität: „Das ist eine gute Möglichkeit und schöne Geste der TU“, findet er.

Seit dem Herbst 2017 bietet das Welcome Centre, das zum Dezernat Internationales gehört, die Deutschkurse in Zusammenarbeit mit dem Sprachenzentrum der Universität für die internationale Wissenschaftsgemeinde der TU an. Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Angehörigen können an dem Sprachunterricht teilnehmen, „um sich so im Alltag besser integrieren zu können“, erklärt Sabrina Glindmeyer, Referentin im Welcome Centre. Viermal im Jahr werden dreimonatige Kurse verschiedener Niveaustufen von A1 bis B2 angeboten. Somit bieten sich Möglichkeiten sowohl für Wissenschaftler, die nur kurz an der TU bleiben, als auch für Forscherinnen und Forscher mit längerem Aufenthalt, die deutsche Sprache zu erlernen. Die Kurse schaffen den Rahmen „für eine soziale und sprachliche Integration und eröffnen gleichzeitig die Perspektive, in Deutschland heimisch zu werden“, begründet das Welcome Centre die Initiative.

Um möglichst große Flexibilität zu bieten, finden die Kurse zweimal die Woche am Abend statt und sind auch nicht an Semesterzeiten gebunden, sondern werden quartalsweise angeboten. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Wissenschaftler selbst nach längeren Konferenzen nicht den Anschluss an das Sprachtraining verlieren, jederzeit auf jedem Niveau einsteigen und auch mit einem Zertifikat abschließen können.

Steigende Nachfrage

Die Nachfrage steigt rasant, berichtet Sabrina Glindmeyer. 2017 startete das Angebot mit vier Kursen, 2020 werden es 20 Kurse sein. Zwischen 20 und 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen zusammen auf einer Stufe; die Lehrenden stellt das Sprachenzentrum der TU. 2017 nahmen insgesamt 87 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Deutschkursen der Universität teil, 2019 waren es schon 337. „Jeder der will, kann kommen“, sagt Glindmeyer.

Und ein bisschen hilft es auch, die Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs und Forscherinnen und Forscher aus der „Blase“ der internationalen Teams zu holen. „Hier trifft man andere Wissenschaftler anderer Fachrichtungen, kann sich treffen und interdisziplinär vernetzen“, freut sich Sabrina Zacarias. Ein Ankerpunkt in der Fremde. „Manchmal ist man schon etwas alleine“, sagt die Argentinierin und Physik-Doktorandin, die seit Januar in Darmstadt im Team von Alexandre Obertelli forscht. Der französische Kernphysiker ist der erste Alexander von Humboldt-Professor an der TU Darmstadt und in Hessen.

Sabrina Zacarias ist in Buenos Aires aufgewachsen, hat dort ihren Bachelor in Kernphysik gemacht, um anschließend für den Masterabschluss nach Frankreich an die Université Paris-Sud zu wechseln. Dort hat sie bereits Französisch gelernt und „in Darmstadt habe ich mit Deutsch jetzt wieder von vorne begonnen“, sagt sie. Doch sie hat bereits das A2-Niveau erreicht, kann auch mit den Kolleginnen und Kollegen deutsch sprechen und ihre Sprachkenntnisse anwenden. „Für die Alltagsdinge reicht das schon“, sagt die 28-Jährige.

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