Lichtenberg

Georg Christoph Lichtenberg – der Namenspatron

Manch einer mag sich fragen: Warum heißt das ehemalige „Haus Hagenburg“, das heutige Gästehaus der Technischen Universität Darmstadt seit 1979 ausgerechnet „Georg Christoph Lichtenberg-Haus“ – wo doch Lichtenberg seinerzeit an der Universität Göttingen wirkte?

Die Idee liegt nahe, weil der Geburtsort dieses bekannten deutschen Naturwissenschaftlers und Literaten den Darmstädtern so nahe liegt: Georg Christoph Lichtenberg wurde als 17. Kind des protestantischen Pfarrers und späteren Superintendenten von Hessen-Darmstadt, Johann Conrad Lichtenberg, im Jahr 1742 in Ober-Ramstadt geboren und wuchs seit frühester Kindheit in Darmstadt auf. „Als es darum ging, einen neuen Namen für das Haus in seiner Funktion als „Internationales Begegnungszentrum“, also als Ort des wissenschaftlichen und kulturellen Austausches zu finden, kamen wir schnell auf Lichtenberg. Er ist Identifikationsfigur nicht nur wegen seiner Herkunft, sondern weil sich in seiner Person wie in wenigen anderen gleichzeitig Naturwissenschaft und Literatur harmonisch verbinden. Deshalb passt er gut zur TU Darmstadt und zum IBZ. Auch hier verbinden sich Naturwissenschaften und Technik, Geisteswissenschaften und Kultur“, erklärt Heiner Knell , ehemaliger Vizepräsident der Technischen Hochschule Darmstadt.

Bild: Bert Hickmann
Bild: Bert Hickmann

Wodurch wurde Lichtenberg berühmt?

Die wohl häufigste Antwort: durch seine Aphorismen. Den meisten fallen als erstes (vielleicht auch einziges) seine von ihm selbst als „Sudelbücher“ bezeichneten und unter dem Namen bekannt gewordenen Schreibhefte ein, in die er seit 1764 über viele Jahre hinweg eine Vielzahl von Gedankensplittern notierte. Seine Gabe, eigene Einfälle und Gedankengänge anderer voller Witz in geschliffener und einprägsamer Form festzuhalten, machten Lichtenberg zum Begründer des deutschsprachigen Aphorismus.

Seit 1777 gab Lichtenberg zudem den Göttinger Taschen Calender heraus, in dem er bis zu seinem Tod unter anderem naturwissenschaftliche Phänomene und Entdeckungen auf populäre Weise erklärte. Auch gab Lichtenberg seit 1784 die „Anfangsgründe der Naturlehre“ seines verstorbenen Freundes Erxleben heraus, bis um 1800 das Standardwerk für Physik an den meisten deutschen Universitäten. Als einer der ersten Professoren hierzulande schlug Lichtenberg in seinem akademischen Unterricht neue Wege ein: In seiner Hauptvorlesung „Experimentalphysik“ (ab 1778) löste er sich von der Konvention des bloßen „Vorlesens“ und begleitete seinen Vortrag anschaulich mit bis zu 600 Demonstrationsexperimenten pro Semester – sehr zur Begeisterung seiner Studenten. Gasgefüllte Schweinsblasen zum Beispiel kündeten vom nahenden Zeitalter der Ballonfahrt, die Gewitterelektrizität führte Lichtenberg anhand von Papierdrachen vor.

Die Entdeckung, die noch heute Lichtenbergs Namen trägt, beruhte wie so oft auf einem Zufall: Als er im Jahr 1777 den Harzkuchen seines Elektrophors abschliff, bildeten sich im Staub baum- und sternförmige Muster. Mit diesen Gleitentladungen auf einem Nichtleiter, nach ihrem Entdecker Lichtenberg-Figuren genannt, gelang es ihm als erstem Menschen, elektrische Ladung sichtbar (und repoduzierbar) zu machen. Auf demselben Phänomen beruht der Xerokopierer, und man folgt bis heute Lichtenbergs durch diese Sichtbarkeit ermöglichten Vorschlag, die beiden unterschiedlichen elektrischen Ladungstypen mit + und – zu bezeichnen.

Selbstbild von Georg Christoph Lichtenberg
Selbstbild von Georg Christoph Lichtenberg

Was für ein Mensch war Lichtenberg?

Georg Christoph Lichtenberg war äußerlich ein buckeliger kleiner Mann. Dazu hatte ihn seine schwere Erkrankung (Kyphoskoliose, vermutlich infolge von Rachitis) gemacht, an der er seit frühester Kindheit litt. Diese führte zu einer Lungeninsuffizienz und ließ sein letztes Lebensjahrzehnt zu einem Sterben auf Raten werden. Doch so klein und gebrechlich er in seiner Statur gewesen sein mag, so groß müssen sein satirischer Witz und so genau seine Beobachtungsgabe gewesen sein.

Weitere Informationen zum Leben und Wirken von Georg Christoph Lichtenberg sind auf den Seiten der Lichtenberg-Gesellschaft e. V. zu finden.