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Charmanter Ort für Wissenschaft und Begegnung

TU Darmstadt feiert Wiedereröffnung des sanierten Schlosses

2023/09/11

Krönender Abschluss nach 15 Jahren aufwändiger Sanierung: Das Darmstädter Schloss öffnet wieder seine Türen. Ein Grund zu feiern, findet die Bauherrin und Schlossbesitzerin TU Darmstadt und lädt für Samstag, den 16. September, zur Wiedereröffnung in das „Wissenschaftsschloss“ ein. Auf dem Festprogramm stehen unter anderem Führungen, spannende Wissenschaftsprojekte, Mitmachaktionen und ein Science Slam.

Die Präsidentin der TU Darmstadt, Professorin Tanja Brühl, sagte: „Mit seiner langersehnten Wiedereröffnung wird das Schloss erneut zu dem, was es schon immer war: einem weithin sichtbaren Fixpunkt voller Lebendigkeit im Herzen der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Ich freue mich sehr, dass die Bürger:innen und auch die Gäste unserer Stadt es nun als geschichtsträchtigen Ort erleben können, an dem heute an Innovationen für Morgen geforscht und gearbeitet wird, an dem wir gemeinsam Neues lehren und lernen und so Zukunft aktiv gestalten. Ganz besonders danke ich allen, die an der beeindruckend gut gelungenen Sanierung tatkräftig und voller Elan mitgewirkt haben!“

Professorin Tanja Brühl, Präsidentin der TU Darmstadt (Archivbild)
Professorin Tanja Brühl, Präsidentin der TU Darmstadt (Archivbild)

„Das Schloss als ein zentrales Gebäude der Technischen Universität Darmstadt steht für mich auch als Symbol für unsere Überzeugung, dass Wissenschaft nur im kommunikativen Austausch mit der Gesellschaft gelingt“, betonte Brühl. „Ich lade Sie herzlich ein: Entdecken Sie das Schloss als offenen Ort der Begegnung für in Wissenschaft tätige und in der Stadtgesellschaft lebende und wirkende Menschen wieder. Sie sind uns jederzeit willkommen!“

„Aushängeschild für die autonome TU Darmstadt“

Angela Dorn, Wissenschafts- und Kunstministerin des Landes Hessen (Archivbild)
Angela Dorn, Wissenschafts- und Kunstministerin des Landes Hessen (Archivbild)

Die hessische Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn erklärte: „Das sanierte Residenzschloss ist ein Aushängeschild für die autonome TU Darmstadt und ihre Leistungsfähigkeit. Zugleich steht es den Bürgerinnen und Bürgern Darmstadts offen, die sich sicher freuen, eines der Wahrzeichen ihrer Stadt wieder ohne Bauzäune genießen zu können. Zudem zeigt es die Bedeutung des Denkmalschutzes: Wir wollen unsere Baudenkmäler nutzbar und lebendig erhalten, nicht als unbewohnte Museumsstücke. Sie haben eine identitätsstiftende Funktion, bedeuten Heimat und Gemeinschaft. Allen Verantwortlichen, Beteiligten, Unterstützerinnen und Unterstützern danke ich herzlich für ihr Engagement.“

Vereinigung von Historie und Moderne

Das fast 800 Jahre alte Gebäudeensemble im Herzen der Wissenschaftsstadt Darmstadt wurde von den Fundamenten bis zu den Dächern gesichert, instandgesetzt, unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten modernisiert und umgebaut. Dabei war oft Kreativität gefragt, um die Anforderungen an einen zukunftsweisenden Wissenschaftsbetrieb und heutige Baustandards mit den Belangen des Denkmalschutzes in Einklang zu bringen. Historische Originale – seien es Gewölbe aus der Zeit von Schloss-Architekt Remy de la Fosse, mittelalterliche Fundamente oder markante Deckenlüster aus den 1950er Jahren – wurden erhalten und mit Neuem und Hightech kombiniert zu einem eleganten und detailreichen Gesamtensemble.

Hier ist nun eine Vielzahl von Einrichtungen mit modernen Orten für Lehren und Lernen, Forschen und Begegnen versammelt: der Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, die Universitätsleitung mit Teilen der zentralen Verwaltung, ein Teil der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB), Einrichtungen wie das Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI), das Deutsche Polen-Institut, das Schlossmuseum, der Schlosskeller und der „Künstlerkeller“.

Das Darmstädter Schloss von oben.
Das Darmstädter Schloss von oben.

Bauherrin: Die Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt

Projektleitung: Technische Universität Darmstadt – Dezernat V – Baumanagement und Technischer Betrieb

Planung: 35 Planungsbüros aus allen Fachdisziplinen

Bauteile: Altschloss (Herrenbau, Kirchenbau, Paukergang, Weißer Saalbau, Prinz-Christans-Bau, Kaisersaalbau, Glockenbau/Glockenturm, Brücken- und Wallhaus), Neuschloss (De-la-Fosse-Bau), Schlossgraben und Wallanlage, drei Schlossbrücken

Projektablauf:
2005 Beschluss zur Sanierung im Zusammenhang mit der Autonomie und Finanzierungszusage des Landes
2003–2009 Sicherungsmaßnahmen, Sondierungen, Bauteiluntersuchungen und nutzungsneutrale Instandsetzungsgutachten
2008–2010 Beginn der Gründungsinstandsetzungen am Glocken- und Kirchenbau
2009–2011 Sanierung von Wallhaus und Glockenspiel
2010–2012 Gründungsinstandsetzung Kirchenbau
2011 Einzug Fachgebiet Philosophie in das Wallhaus
2013–2016 Sanierung Glockenbau mit Schlossmuseum
2014–2022 Sanierungsarbeiten Herrenbau, Weißer-Saal- und Kaisersaalbau, Prinz-Christians-Bau
2013–2014 Landschaftsbauarbeiten Schlossgraben Ost
2015–2023 Sanierungsarbeiten De-la-Fosse-Bau
2016–2017 Landschaftsbauarbeiten Schlossgraben West und Wallterrasse
2016 Einzug Deutsches Polen-Institut und Schlosskeller sowie Wiedereröffnung Schlossmuseum
2017 Wiedereinzug Keller-Klub (Künstlerkeller)
2022 Fertigstellung Orgelsaal
2022–2023 Einzug Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, Präsidium, Teile der zentralen Uni-Verwaltung, Universitäts- und Landesbibliothek mit drittem Standort
2023 Landschaftsbauarbeiten Schlossgraben Süd
Sept. 2023 feierliche Wiedereröffnung

Gesamtzeitraum Planung und Sanierung: 2005–2023

Beteiligte Ingenieure, Firmen, Sachverstände, Behörden: ca. 250

Nettogrundrissflächen: ca. 26.000 m² auf 6.000 m² bebauter Fläche

Davon neu geschaffen (Magazingeschosse): ca. 2.200 m²

Grundstücksfläche: ca. 23.000 m²

Baukosten: knapp 70 Millionen Euro

Finanzierung:
33 Millionen Euro aus Finanzierungszusage des Landes zur Autonomie 2005
30 Millionen Euro aus dem Baubudget der TU Darmstadt
5 Millionen Euro aus Hochschulpakt 2020 – Mittel für die Fachbereichsbibliothek Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften
1 Million Sonstige

Spenden:
Sanierung des Schlossgrabens und der vier Sandsteinfiguren (vier „Tugenden“) rund 277.000 Euro aus privaten Spenden
Anschaffung und Sanierung der Goll-Orgel rund 220.000 Euro
Sanierung Glockenspiel 42.000 Euro

Gesamtzahl der Räume: ca. 930

Zahl der Büroarbeitsplätze: 492

Platz für maximal: 1.985 bis 2.125 Nutzende

Abteilungen und Einrichtungen der Universität im Schloss: Präsidium, Teile der Zentralen Verwaltung, Science Communication Centre, Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, dritter Standort der Universitäts- und Landesbibliothek, AStA

Verantwortlich für das herausfordernde Gesamtprojekt war die TU Darmstadt im Rahmen ihrer gesetzlich verankerten Bauautonomie. Die Kosten der Schloss-Sanierung in Höhe von insgesamt knapp 70 Millionen Euro setzen sich wie folgt zusammen: Das Land Hessen steuerte 33 Millionen Euro als ursprüngliche Finanzierungszusage aus dem Jahr 2005 bei, außerdem flossen fünf Millionen Euro aus Hochschulpakt-2020-Mitteln. Die TU Darmstadt erbrachte rund 30 Millionen Euro aus ihrem jährlichen Baubudget.

Die ursprüngliche Kostenschätzung vor rund 15 Jahren hatte 41,5 Millionen Euro betragen. Während der Bauzeit musste jedoch eine Fülle an unvorhergesehenen Herausforderungen bewältigt werden. Viele Schäden an der Bausubstanz wurden erst nach Beginn der Renovierung sichtbar – ein Beispiel sind die Fundamente, deren Sanierung deutlich aufwändiger wurde als zunächst angenommen. Komplexe Rohbaueingriffe wurden nötig, um Brandschutzvorschriften zu erfüllen und die erforderliche Haustechnik einzubauen.

Das Darmstädter Schloss blickt auf eine lange Geschichte zurück.
Das Darmstädter Schloss blickt auf eine lange Geschichte zurück.

Das Darmstädter Residenzschloss ist in fast 800 Jahren Baugeschichte entstanden und umfasst Gebäude in ganz unterschiedlichen Stilrichtungen. Die erste Wasserburg entstand im 13. Jahrhundert und ist älter als die sie umgebende Stadt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss bis Mitte der 1960er-Jahre in seiner äußerlich ursprünglichen Form wieder aufgebaut. Die „Schlossbesitzerin“ TU Darmstadt hat in umfassenden Renovierungs- und Sanierungsarbeiten das Ensemble für die Zukunft fit gemacht und zum „Wissenschaftsschloss“ umgebaut.

13. bis 15. Jahrhundert

Die Grafen von Katzenelnbogen errichten eine Wasserburg, die später als nördliche Bastion in den Stadtmauerring eingeschlossen und für die Hofhaltung ausgebaut wird. Darmstadt erhält Stadtrechte.

Nach dem Aussterben des Grafengeschlechts von Katzenelnbogen fällt die Grafschaft an die Landgrafen von Hessen. Darmstadt wird zur unbedeutenden Provinzstadt, die Wasserburg wird als Witwensitz jahrzehntelang vernachlässigt.

1512-1563

Der Saalbau wird von Grund auf neu errichtet. In verschiedenen Konflikten werden Schloss und Stadt stark beschädigt, später brennen alle Fachwerk-Bauteile ab. Wiederaufbau im Osten außerhalb der inneren Kernburg.

1567

Philipp der Großmütige stirbt. Hessen wird unter seinen Söhnen aufgeteilt. Die Teil-Landgrafschaft Hessen-Darmstadt nimmt einen beachtlichen Aufschwung. Die Stadt wächst von 234 Einwohnern im Jahr 1569 auf rund 1.500 im Jahr 1600. Die Wasserburg entwickelt sich zum Residenzschloss mit Raum für Hof und Verwaltung.

1595

Der dreigeschossige Winkelbau des Kirchen- und Kaisersaalbaus im Renaissancestil entsteht nach dem Vorbild von Schloss Lichtenberg und Jagdschloss Kranichstein. Über einen offenen Laubengang (Paukergang) wird die Hofkirche mit dem Wohnhaus verbunden. Damit entstand der Kirchenhof, wie er im Wesentlichen noch heute vorhanden ist.

1661–1678

Landgraf Ludwig VI. baut das Schloss aus. Es entsteht der Glockenbau mit 28 Glocken aus Holland im Turm. Südlich des Glockenhofs entsteht eine eingeschossige Galerie mit Terrassendach, der sogenannte „Holländische Bau“, und der Prinz-Christians-Bau wird errichtet.

1663

Besetzung der Stadt durch die Franzosen. Schwere Schäden am Schloss.

Anfang des 18. Jahrhunderts

Der junge Landgraf Ernst Ludwig lernt auf seinen Reisen den französischen Architekten Louis Remy de la Fosse kennen. De la Fosse gestaltet das Portal der Schlosskirche neu und erhält weitere Aufträge zum Umbau am Schloss

1715–1717

Der Schlossbrand am 19. Mai 1715 zerstört die Kanzlei und beschädigt die anschließenden Bauten. De la Fosse erhält den Auftrag für eine komplette Neuplanung des Schlosses. Er entwirft einen barocken dreigeschossigen, rechteckigen Schlosskomplex mit einer Abmessung von 114 x 130 Metern und einem 75 Meter hohen Turm in der Mitte, für den das gesamte Altschloss hätte abgerissen werden müssen. Das Projekt überfordert die finanziellen Möglichkeiten des Landgrafen. Es wird daher mit dem Bau von lediglich zwei Flügeln mit einer Ausdehnung von 62 x 114 Metern begonnen.

1726

Baumeister de la Fosse stirbt. Das Schloss ist im Rohbau fertig gestellt.

1730

Der Schlossbau wird wegen fehlender Mittel eingestellt. Die Fensteröffnungen bleiben zum Teil bis ins 19. Jahrhundert mit Brettern verschalt.

1796

„Die Große Landgräfin“ Karoline, Frau von Ludwig IX., sorgt für eine kulturelle Blüte Darmstadts. Wissenschaft zieht im Schloss ein: Der Landgraf lässt astronomische Instrumente in der östlichen Pavillonkuppel aufstellen.

Anfang des 19. Jahrhunderts

Unter Landgraf Ludwig X. (später Großherzog Ludwig I.) wird das Neuschloss nach und nach voll ausgebaut.

1812

Georg Moller schlägt die klassizistische Überformung des De-la-Fosse-Baus und den Abriss des Altschlosses vor. Ludwig I. lehnt dies allerdings ab.

1814

Der Schlossgraben wird trockengelegt. Die Obergeschosse des Neuschlosses erhalten endlich Fenster. Im Schlossgraben entsteht ein botanischer Garten.

1817

Hofbibliothek und Kabinettsbibliothek werden vereinigt und in die Osthälfte des Marktflügels verlegt. Die Hofbibliothek ist an fünf Wochentagen öffentlich zugänglich.

1820

Die Sammlungen des Großherzogs werden zu einem Museum vereinigt, das als eines der ersten öffentlichen Museen gilt. Ludwig II. stellte in den 1830er Jahren das Neuschloss mit Ausnahme des Erdgeschossbereichs vollständig dem Museum und der Bibliothek zur Verfügung.

1877

Seit Ludwig IV. wohnen die Großherzöge im 1863–66 erbauten neuen Palais am Wilhelminenplatz. Das Altschloss wird für repräsentative Zwecke und als Gästehaus verwendet.

1896

Durch Baurat Becker wird am Herrenbau der Teepavillon angefügt.

1906

Die stark gewachsenen Sammlungen des Großherzogs Ernst Ludwig ziehen in den Museumsneubau Alfred Messels um (heute Landesmuseum).

1918

Nach dem Ersten Weltkrieg geht das Schloss in Landesbesitz über. Das Altschloss, dessen Innenausstattung im Besitz des Hauses Hessen bleibt, wird 1924 fast unverändert zum Schlossmuseum. Die Hofkirche wird Gemeindekirche. Darmstadt wird Hauptstadt des Volksstaates Hessen.

1925 und 1935

Renovierte Räume des Neuschlosses werden an die Landesbibliothek und an das Staatsarchiv übergeben.

25.11.1943

Bei einem Fliegerangriff wird der Glockenbau schwer beschädigt.

11.09.1944

Nach dem Bomben- und Feuersturm liegt das Schloss wie der überwiegende Teil der Stadt in Schutt und Asche. Das Schloss brennt vollständig aus, das geschmolzene Glockenmetall ergießt sich in die Trümmer. Der Landesbibliothek gehen 400.000 Bände verloren, die Hälfte der Bestände.

1945

Nach der kampflosen Übergabe der Stadt an die Amerikaner richten diese im Schloss ihr Hauptquartier ein. Im Keller des Westflügels nimmt die Landesbibliothek ihre Arbeit wieder auf.

1946

Das Staatsarchiv kehrt ins Schloss zurück.

1950

Die Darmstädter Bürger sammeln für die Wiederherstellung des Glockenturms und Glockenspiels, das im Dezember 1951 mit 21 neuen Glocken zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erklingt.

1952–1954

Die Kuppeln der Pavillons werden in alter Form neu errichtet. Drei große Magazine in den Zwischenbauten für je 250.000 Bände entstehen.

1955

Das Altschloss verfällt und wird aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrt. Sogar über den Abriss der Kriegsruine wird diskutiert.

1958–1961

Der Glockenbau wird wieder aufgebaut. Das Land Hessen ergänzt sechs fehlende Glocken des Glockenspiels. Es fällt die Entscheidung, das Altschloss für die Technische Hochschule wieder aufzubauen.

30.11.1962

Die Landes- und Hochschulbibliothek wird endgültig fertiggestellt und übergeben.

4.7.1965

Eröffnung des Schlossmuseums im Glocken- und Verbindungsbau.

1966

Die Technische Hochschule bezieht den wiederaufgebauten Altschlossbereich.

1967

Die wiederaufgebaute Schlosskirche wird der Evangelischen Studentengemeinde übergeben.

1981

Der Heinerfestverein spendet drei weitere Glocken für das Glockenspiel.

1993

Das Staatsarchiv zieht in den Mollerbau am Karolinenplatz.

2005

Im Rahmen der Autonomie in Grundstücks- und Bauangelegenheiten wird die Technische Universität Darmstadt offiziell „Schlossbesitzerin“.

2008

Die TU Darmstadt beginnt mit der Gründungssanierung im Altschlossbereich.

2010

Auf der Bastion entsteht mit dem Schlossgarten eine öffentlich zugängliche Sommergastronomie. Die Technische Universität beginnt mit der Sanierung des Wallhauses und des Glockenspiels.

2012

Die Universitäts- und Landesbibliothek zieht in den Neubau an der Magdalenenstraße.

2013

Die TU Darmstadt beginnt mit der Sanierung des Schlosses.

2016

Das Deutsche Polen-Institut verlegt seinen Sitz ins Schloss. Das Schloss-Museum feiert Wiedereröffnung.

2017

Wiedereröffnung des westlichen und östlichen Schlossgrabens mit Unterstützung einer Vielzahl von öffentlichen und privaten Spenden.

2022

Mit Konzerten eröffnet die TU feierlich den Orgelsaal in der ehemaligen Schlosskirche. Erstmals erklingt die mit Spendengeldern installierte und restaurierte Goll-Orgel.

2022-2023

Der Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften kehrt zurück an seinen traditionellen Standort im Schloss. Das Präsidium und Teile der zentralen Uni-Verwaltung ziehen um ins Schloss. Die Universitäts- und Landesbibliothek eröffnet im Schloss ihren dritten Standort.

Auch Arbeiten wie beispielsweise der aufwändige Umbau der früheren Magazingeschosse sowie die Einrichtung des dritten Standorts der ULB waren in der ursprünglichen Kalkulation noch nicht berücksichtigt. Zudem ergaben sich bei den Arbeiten immer wieder Überraschungen – zum Beispiel in Form eines fünf Tonnen schweren Findlings im Boden des De-la-Fosse-Baus. Dieser musste erst beseitigt werden, bevor der Umbau eines Pavillons und der Einbau des Aufzugs fortgesetzt werden konnten. Die letzten Umbaujahre standen darüber hinaus im Zeichen der Corona-Pandemie mit Lockdown und Einschränkungen bei Firmen, was die Arbeiten ebenfalls verzögerte.

An der Sanierung waren mehr als 200 Unternehmen beteiligt, darunter überwiegend regionale, mittelständische Betriebe, so dass die Ausgaben aus Steuergeldern an die hessische Wirtschaft zurückgeflossen sind.

Kurioser Fund im Erdreich: Ein fünf Tonnen schwerer Findling aus Granit.
Kurioser Fund im Erdreich: Ein fünf Tonnen schwerer Findling aus Granit.

Eine Zeitkapsel, eine Kanonenkugel, ein tonnenschwerer Findling: Bei der Sanierung des Wissenschaftsschlosses wurden unerwartete Entdeckungen gemacht. Zehn Dinge, die Sie noch nicht wussten:

Bei den Sanierungsarbeiten im Glockenbau wurde in einer Wand eine Zeitkapsel in Form einer Flaschenpost aus dem Jahr 1930 gefunden. Sie enthält eine in Sütterlinschrift verfasste Botschaft zur großen wirtschaftlichen Not in jener Zeit. Der Fund, der auch Briefmarken, Zeitungsausschnitte und Notgeld umfasste, befindet sich im Schlossmuseum.

Im Zuge von Grabungen in den Innenhöfen wurden zahlreiche Scherben, historische Mauern und Kanäle entdeckt sowie eine steinerne Kanonenkugel aus dem Dreißigjährigen Krieg.

Bei der Sanierung des De-la-Fosse-Baus kam im Erdreich unter einem der Pavillons ein riesiger, fünf Tonnen schwerer Granitbrocken zum Vorschein, der zertrümmert werden musste. Erst dann konnte darüber das neue Treppenhaus mit einem Aufzug von unten nach oben neu eingebaut werden.

Da die fast raumhohen Eichen-Sprossenfenster des Schlosses durch keine Tür passten, wurden die Rahmen im Schloss selbst restauriert. Die Firma Pfau aus Pfungstadt richtete sich dazu die Werkstatt direkt vor Ort ein. Die Sanierung war aufwendig, da jedes der fast 650 Schlossfenster praktisch ein Unikat war.

An der Fassade wurden rund sechs Quadratmeter Blattgold zur punktuellen Verzierung verarbeitet, zum Beispiel an den Wappen.

Aus den bis zu sechs Meter hohen Magazinräumen mussten rund 160 Tonnen Stahl von den früheren Regalanlagen entfernt werden, bevor die Zimmerleute neue Zwischenebenen einziehen konnten.

Zu den Besuchern des 1952 gegründeten Keller-Klubs („Künstlerkellers“) gehörten im Laufe der Zeit Berühmtheiten wie Erich Kästner, Jean Genet, Ezra Pound, Günter Grass, Eugène Ionesco, Alexander Calder, Ortega y Gasset, Daniel Spoerri und Samy Molcho.

Von 1701 bis 1833 stand auf der nördlichen Wallbastion ein außergewöhnlicher Musikpavillon. Bei musikalischen Unterhaltungen saßen die Zuschauer im direkt von der Wallterrasse zugänglichen Raum, den norditalienische Stuckateure ausgestaltet hatten. Im gewölbten Raum darunter, welcher noch vorhanden ist, saß das Orchester. Ein ausgeklügeltes Röhrensystem übertrug die Musik nach oben. Landgraf Ernst Ludwig war ein begabter Musiker und Komponist.

Das Darmstädter Glockenspiel war das erste in einer deutschen Residenz und ist gleichzeitig eines der ältesten Deutschlands. Die ersten 28 Glocken wurden bereits Ende 1671 zum ersten Mal im Turm des 1664 von J.W. Pfannmüller errichteten „Hohen Baus“ gespielt. Im Zweiten Weltkrieg wurden Gebäude und Glockenspiel bei einem Luftangriff zerstört. Dank des Engagements einer 1949 gegründeten Bürgerinitiative konnte 1951 ein neues, technisch moderneres Glockenspiel mit 21 Glocken in der Turmlaterne des rekonstruierten Gebäudes errichtet werden. In den folgenden 30 Jahren wurden immer wieder Ergänzungen (1960 sechs und 1981 drei Glocken) und technische Neuerungen durchgeführt. 1982 richteten Studierende der Technischen Hochschule Darmstadt für die inzwischen 30 Glocken eine Computersteuerung ein.

Am Eingangsportal des Brückenhauses von 1676 sind noch die Löcher für die Ketten der Zugbrücke zu sehen.

Festakt mit hochkarätigen Gästen am 16. September

Der Öffentlichkeit präsentiert die TU Darmstadt das frisch restaurierte Wissenschaftsschloss am 16. September. Zu einem Festakt werden zunächst zahlreiche geladene Gäste aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur erwartet, darunter die hessische Bildungsministerin Angela Dorn und der Darmstädter Oberbürgermeister Hanno Benz.

Anschließend können ab 14.00 Uhr alle Interessierten das Wissenschaftsschloss besichtigen. Auf dem Programm stehen neben Themenführungen unter anderem spannende Diskussionen und Sondervorlesungen aus den Forschungsfeldern der TU, Mitmachangebote und Infostationen. Konzerte der TU-Bigband und Orgelkonzerte im neuen Orgelsaal runden das Programm ab. Und natürlich ist die Wiedereröffnung am 16. September nur ein Vorgeschmack auf weitere Angebote in der Zukunft – im Wissenschaftsschloss im Herzen der Stadt.

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